Über Spätzünder und das FGM (Teil 2)


Montag morgen vor der ersten Vorlesung hatte ich voller Vorfreude meinen ersten Sensor für das FreeStyleLibre Messsystem gesetzt (mehr dazu im ersten Bericht übers FGM). In den Diabetikerkreisen wird es aber eher FGM genannt. FGM steht für Flash-Glucose-Monitoring. Dem erfahrenden Diabetikerauge sollte sofort auffallen, dass da etwas nicht ganz stimmt. Und zwar das Wort Glucose.
Das FGM von Abbott misst nämlich nicht den Blutzucker, sondern den Gewebezucker. Jemand, der diesen Unterschied nicht kennt, kann dies schnell zum Verhängnis werden. Es gilt nämlich zu beachten, dass der Gewebezucker langsamer ist, als der Blutzucker und es deshalb zu einer kleinen Zeitverzögerung und Abweichungen bei den Werten kommen kann.

Mein FGM und ich haben etwas länger gebraucht um miteinander warm zu werden und oben beschriebene Differenzen zu überwinden. Dass man sich in den ersten Stunden noch nicht 100 prozentig auf die Werte verlassen soll und es zu Abweichungen kommen kann, war mir durch regen Austausch in allerlei Facebookgruppen und Co bekannt. Also machte ich mir erstmal keine Sorgen, als am ersten Tag zu Differenzen von bis zu 80mg/dl kam. Hin und wieder übereinstimmten die Werte ja immerhin auch.

Leider brachte der nächste Tag keine besseren Werte. Obwohl ich am Abend sehr optimistisch war, dass nun alles lief, variierten die Werte des Flash-Glucose-Monitorings und meines Contour Messgerätes am nächsten Morgen und vorallem in der Nacht immernoch stark.
Also setzte ich mich mit dem Kundenservice in Verbindung und wir besprachen alle vorstellbaren Sznarien. Ich hatte beim Setzen des Sensors alles  richtig gemacht. Na immerhin.

1. Die Haut mit dem mitgelieferten Alkoholtuch desinfizieren
2. Den passenden, mitgelieferten Applikator nutzen
3. Den Sensor in Trizeps-Höhe anbringen
4. Am besten von einer zweiten Person den Sensor setzen lassen, damit man nicht abrutscht oder Ähnliches passiert.

Hatte ich alles gemacht. Selbst das Lesegerät testeten wir durch. Nichts (aber das hatte ich ehrlich gesagt auch irgendwie erwartet).
Der Kundenservice empfiehl mir also, ich solle einen neuen Sensor setzen, und ihnen dann berichten, ob es nun besser klappe, dann würden Sie mir einen Neuen zukommen lassen.

Irgendwie hatte ich die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Dafür bin ich nicht der Typ. Vielleicht war mein Sensor einfach ein Spätzünder.

Und scheinbar ist es auch so. Nach mittlerweile fast 3,5 Tagen scheinen wir endlich auf einen grünen Zweig gekommen zu sein. Sicherheitshalber kontrolliere ich trotzdem immer mal wieder, ob auch wirklich stimmt, was mein Libre da behauptet, aber meine Werte sind sich mit einer Abweichung von max. ca. 20mg/dl ähnlich.

Und schon jetzt kann ich sagen, dass ich es nicht mehr hergeben will. Egal wann, egal wo. Ich kann diskret und schnell meinen GLUKOSE-Wert bestimmen lassen. So oft wie ich alleine in den letzten Tagen den Sensor gescannt habe, habe ich gefühlt die letzten Jahre nicht gemessen. Ich bin hochmotiviert und finde es einfach toll wie einfach sich der Verlauf auf dem Libre darstellen lässt. Ein ganz neues Lebensgefühl.

Trotzdem macht mir diese Sucht nach dem Scannen auch ein bisschen Angst. Einfach aus dem Grund, dass es irgendwie blind für die Signale des Körpers macht. Ich habe ein hervorragendes Gefühl für meine Blutzuckerwerte. Aber seit ich meine Werte jetzt mit dem FGM messe und dadruch immer weiss wo ich mich befinde, von wo ich komme, fühle ich mich ein bisschen wie beim Autofahren mit Navi. Man verlässt sich komplett auf das was einem angezeigt bzw. gesagt wird und achtet selber nicht mehr so genau auf den Verkehr, bzw. in diesem Fall auf die Signale des Körpers.
Deswegen appeliere ich an alle, so faszinierend und toll das FGM auch ist, ab und zu einfach auch nochmal in sich rein zu hören, um das Gefühl für seinen Körper nicht zu verlieren und alle Verantwortung ans FGM abzugeben.


Aufgefallen ist mir ausserdem, dass mir die Messwerte des FGM nachts teilweise sehr spanisch vorkommen (grösstenteils aber auch noch in den beschriebenden ersten "Problemtagen"). Durch einige Kontakte habe ich dann erfahren, dass das FGM ähnlich wie die CGMs empfindich auf starken Druck reagieren könnte. Das ist natürlich nur eine Theorie, aber Nachts kann es natürlich tatsächlich schnell mal vorkommen, dass man den Sensor einquetscht und vielleicht deswegen die Werte etwas seltsam sind. Habt ihr vielleicht auch schon ähnliches beobachtet ? Wie laufen eure ersten Tage mit dem Sensor ab?

Ich klopfe gaaaanz oft auf Holz und hoffe, dass es mit den Werten jetzt endgültig hinhaut. Denn hergeben möchte ich mein Libre definitiv nicht mehr !
Ihr hört von uns!

(Es handelt sich hierbei um einen persönlichen Erfahrungsbericht!)

Ach, bevor ich es vergesse. Seit gestern gibts auf der Blood-Sugar-Lounge auch von mir zu lesen. Es handelt sich hierbei um eine Plattform von Diabetikern für Diabetiker, zu der jeder herzlich eingeladen ist. Also schaut doch mal vorbei :) 


















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