Mein Jahr 2017 - mit Diabetes



Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich den Jahresrückblick 2016 für den Blog in mein Laptop tippte. Dabei ist es tatsächlich schon ein Jahr her. Ein wahnsinnig spannendes Jahr. Ich habe so viel erlebt und auch bezüglich des Diabetes nicht nur technisch wachsen können.

Am 2. Januar jährt sich das Datum meiner Diabetes-Diagnose. Wie oft habe ich schon darüber nachgedacht, wie es damals wohl für mich gewesen sein muss, Weihnachten mit den ersten Anzeichen für meine chronische Erkrankung erlebt zu haben, ohne zu wissen was wirklich los ist. Ich erinner mich nicht mehr, schliesslich war ich gerade erst 6 Jahre alt geworden - aber meine Oma meinte vor nicht allzu langer Zeit, dass sie sich sehr wohl noch daran erinnert, wie viel ich damals getrunken hätte. Ein Jahr kann sicherlich schöner als mit der Diagnose Typ 1 Diabetes beginnen. Trotzdem feier ich auch heute, wenn auch wirklich nur in kleinem Rahmen, weiterhin mein Diaversary. Weil ich jeden Tag mit dem Diabetes lebe. Weil es auch nicht so tolle Tage gibt und ich mich trotzdem nicht unterkriegen lasse. Am 2.01.2018 ist es 17 Jahre her, dass der Diabetes hoch offiziell mein neuer Beleiter wurde.



Während ich Hals über Kopf in der Endphase meiner Bachelorarbeit steckte, wachte ich eines Morgens im schönen Paris anlässlich des dort stattfindenden ATTD auf. Gemeinsam mit anderen Bloggern hatte Roche Diabetes Care uns dazu eingeladen. Vor Ort erhielten wir Einblicke in das Insight CGM System sowie auf dem Kongress selber alle Neuigkeiten zum Eversense CGM. Einem CGM System, dass implantiert wird und von dort aus über einen Transmitter die Werte auf das Smartphone senden kann. Am liebsten wäre ich noch Tage lang in Paris geblieben, aber ein anstehender Umzug und vor allem die Endphase meiner Bachelorarbeit forderten mich so, dass ich nach 3 Tagen Auszeit schlussendlich doch wieder in der Bibliothek landete.

Ende Febuar war es dann aber endlich soweit. Nach etwa 3,5 Jahren Studium beendete ich dieses stolz mit der Abgabe meiner gebundenen Bachelorthesis. Das wurde auch höchste Zeit, denn nur wenige Tage später stand der lang ersehnte Umzug zurück in meine Heimat Köln an. Sehr, sehr lange hatte ich auf diesen Moment gewartet. Nicht, weil ich mein Studium nicht gemocht hätte, sondern einfach weil ich es nicht erwarten konnte endlich wieder Freunde und Familie dauerhaft in meiner Nähe zu haben. Ich bin in Köln geboren und die 3 Jahre im Exil in Bayern haben mir gezeigt, dass diese Stadt immer mein Herz haben wird. Unter anderem aus diesem Grund habe ich dieses Jahr in einem Blogpost auch die Diabetes-Tauglichkeit des Kölschen Grundgesetzes getestet. Zu lesen gibts den Artikel hier.



In Köln angekommen suchte ich mir schnell einen Job. Ich begann (wieder einmal) zu kellnern. Damals, als ich im ersten Semester war, hatte ich schon einmal gekellnert und den Diabetes verschwiegen. Dieses mal wollte ich das keinesfalls und entschied mich bereits beim Probearbeiten reinen Tisch zu machen. Wer mich mit Diabetes nicht will, hat eben Pech gehabt.
Dank der verschiedenen Sensoren, die ich tagtäglich irgendwo an mir habe, wird das "verstecken" der Krankheit auch zunehmend schwieriger - abgesehen davon, dass ich das auch definitiv nicht mehr machen möchte! Mittlerweile gibt es auch so tolle Accessoires für den Diabetes und sein Zubehör, dass das auch wirklich nicht mehr nötig ist. Ich habe mir bspw. letztes Jahr zu Weihnachten eine Tasche von myabetic gewünscht, über die ich hier schon einmal ausführlich (und mit Bildern) berichtet habe.



Im Sommer kam es sensorbedingt dann zu der ein oder anderen lustigen Situation während meines Aushilfsjobs als Kellnerin. Denn nicht nur einmal fragte man mich, was das da an meinem Arm denn sei.
Ein Gast lächelte mich einmal zögernd an, nachdem ich meine Standartphrasen auf die Frage, was denn das da an meinem Arm seie, runter gepredigt hatte und erklärte mir dann: "weniger Brot, dann geht der Diabetes auch wieder weg...". Alles klar - wieso erfahre ich das erst jetzt?! 😂

Apropos Sensoren: Dieses Jahr ermöglichte es mir die Firma Dexcom für einige Wochen ihr CGM System, das Dexcom G5 zu testen. Während ich als Kind absolut abgeschreckt von einem CGM System war, hat sich meine Meinung dazu (zumindest in der Theorie) geändert. Dexcom wollte mir die Möglichkeit geben mir das jetzt zusätzlich auch in der Praxis zu beweisen und schickte mir neben dem Transmitter, einigen Sensoren zum zusätzlichen Test auch eine AppleWatch. Diese kann nämlich nach Vornahme entsprechender technischer Einstellungen die Werte anzeigen und ggf. durch Push-Benachrichtigungen und Vibration alarmieren. Diese Funktionen kamen mir insbesondere beim Kellnern sehr zu Gute. Denn oftmals kommen alle Gäste auf einmal und natürlich möchten auch alle am besten schon gestern von dir bedient wurden sein. In so einem Moment ist es wichtig den Kopf zu behalten. Mal eben kurz den Blutzucker in aller Ruhe messen ist in aller Regel einfach nicht möglich. Ein Blick aufs Handgelenk hingegen schon. ...umso trauriger war ich, als ich das System dann abgeben musste. Einen ausführlichen Testbericht zum System findet ihr hier. Die Trauer war jedoch schlussendlich doch nicht von allzu langer Dauer, aber dazu an geeigneter Stelle gleich mehr.



Im August ging es dann erst einmal endlich auf unsere lang geplante und große Reise. Bevor es aber los ging, entschied ich nach einigen Überlegungen noch mein Insulin von Humalog zu Fiasp wechseln. Zwischenzeitlich hatte ich schon von Mehreren gehört, dass der erste Eindruck weniger revolutionär wie zuerst erhofft gewesen sei. Mein Problem mit hohen Werten nach dem Frühstück und langsam wirkenden Korrekturen bestärkten mich trotzdem in der Entscheidung zum Wechsel.

Ich bereue diesen Schritt nicht. Alles in allem habe ich das Gefühl dass meine Werte deutlich stabiler sind. Mein Frühstücksproblem aber konnte ich weiterhin nicht lösen. Auch habe ich nicht den Eindruck, dass das Insulin merkbar schneller ankommt als mein Humalog. Aber ich habe mich mittlerweile an das neue Elexir gewöhnt und soweit läuft es jetzt (wenn auch im damaligen Urlaub nicht) gut.

Zurück zu unserer Reise: Mit der ganzen Familie machten wir von Miami ausgehend eine Kreuzfahrt durch Mittelamerika. Es war ein absoluter Traum - ...was man von meinen Blutzuckerwerten nicht behaupten kann. Diese spielten nämlich total verrückt und machten es mir nicht einfach optimistisch zu bleiben. Als ich dann aber auf einer Sandbank mitten in der freien Natur stand, Rochen um meine Füße tanzten und mich berührten, oder ich mitten im Dschungel vor beeindruckenden Mayapyramiden stand, war selber der schlimmste Diabetes-Ärger schnell vergessen. Denn Eindrücke wie diese vermag selbst ein störriger Diabetes nicht kaputt zu machen. Einen ausführlichen Reisebericht inklusive allen Infos rund um die Blutzuckereskapaden und einigen Fotos findet ihr hier. 






Zurück Zuhause musste ich mich erst einmal durch eine Menge Papierkram kämpfen. Neben der Einschreibung zu meinem Masterstudiengang, erhielt ich von meiner Krankenkasse die Kostenübernahme für mein CGM System, was ich einige Wochen vorher gemeinsam mit meiner Praxis beantragt hatte. Wer einmal das Prozeder eines solchen Antrags mitgemacht hat, wird vermutlich ahnen können welch ein Stein mir vom Herzen gefallen ist und vor allem wie glücklich ich war, als ich die Papiere schlussendlich in der Hand hielt. Gemeinsam mit meiner behandelnden Ärztin hatte ich mich einige Wochen zuvor, trotz dass mir das Dexcom CGM so unglaublich gut gefallen hat, für das Enlite CGM, welches mit meiner Pumpe zusammen arbeitet und mithilfe des Smartguards bestenfalls auch Unterzuckerungen bekämpfen kann, entschieden.
Im August hatte ich zwar dann endlich die Zusage meiner Kasse, dank Lieferschwierigkeiten des Herstellers war ich trotzdem noch einige Wochen vom "Gerät in den Händen halten" entfernt.


Meine Reise nach Barcelona liess mich das jedoch recht schnell vergessen. Gemeinsam mit einer Freundin reiste ich für einen Kurztrip in die spanische Metropole. Dort machte ich meine ersten Hostelerfahrungen - wohl bemerkt: sehr positive Erfahrungen. Denn unsere Bettnachbarn waren alle mehr als freundlich. So ergab es sich, dass eines Nachts, als ich meinen Sensor scannte einer der Bettnachbarn (wirklich interessiert und zugegeben womöglich auch etwas besorgt) fragte, ob alles okay seie und er etwas für mich tun kann. Gesten wie diese liessen mich die anderen sehr schnell ins Herz schliessen und gaben mir mit dem Diabetes ein gutes Gefühl. Auch wenn meine Werte während unsere Aufenthalts eher alles andere als okay waren. Aber naja...
Leider wurde die Stimmung etwas durch den Diebstahl meines Handys, Personalausweises und Führerscheins in einer Bar getrübt. Alles Dinge die man ersetzen kann, aber einen Urlaubstag auf dem Konsulat zu verbringen, damit man hoffentlich noch rechtzeitig ein Reisedokument für den Rückflug am Abend bekommt, stresst doch etwas. Und das spiegelten auch meine Werte wieder. Wie sollte es auch anders sein?!
 
Lange hielt es mich nach meiner Ankunft nicht auf deutschem Boden. Denn nur wenige Tage später ging es Richtung Lissabon zum dortigen EASD. Gemeinsam mit Sascha von Sugartweaks flog ich also nach Portugal um dort all die anderen bekannten und neuen Gesichter im Rahmen einer Roche Diabetes Care Veranstaltung zu sehen. Roche stellte uns vor Ort sein "Digitales Ökosystem" vor. Alles soll mit allem vernetzt werden. Das soll sowohl den Patienten, als auch den Professionals die Kommunikation erleichtern. Außerdem ging es auch einen Großteil der Veranstaltung um Roche und Mysugr. Mysugr möchte in Zusammenarbeit mit Roche nämlich zusätzlich zu ihrem Tagebuch jedem seinen persönlichen Diabetes-Couch zur Seite stellen der dich auf Auffälligkeiten anhand deiner Daten aufmerksam macht. In Deutschland allerdings gibt es das zur Zeit noch nicht.

Außerdem war ich zum Breakfast von MedAngel eingeladen. MedAngel hat einen Temperatursensor entwickelt der die Temperatur z.B von unserem Insulin (aber auch anderen temperaturempfindlichen Medikamenten) überwachen kann und diese per Bluetooth ans Handy weitergibt.

Wir sprachen vor Ort über den aktuellen Stand, geplante Neuerung und vor allem aber diskutierten wir ganz offen über Vor- und Nachteile, Ideen und Wünsche. Das ist nicht nur für das Unternehmen eine tolle Chance, sondern auch für und als Patienten und Nutzer. Denn wenn das Unternehmen weiß, was uns wichtig ist, profitieren schlussendlich wir als Patienten davon. Aktuell teste ich das System noch, (nachdem es mir kostenlos von dem Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde) gerne halte ich euch bei Interesse auf dem Laufenden!

Auf dem Kongress selber gab es sonst wenig Neues. Grundsätzlich ist mir aber bei den Treffen mit den anderen Menschen mit Diabetes dieses Jahr besonders aufgefallen, dass Sensoren immer selbstverständlicher werden und immer weniger ein Luxusgut sind. Es scheint als würden selbst die letzten Krankenkassen langsam aber sicher den Sinn dieser Hilfsmittel erkennen! Endlich!

Wie bereits im Jahr zuvor, war ich auch 2017 als Referentin bei einem Schulungswochenende der Elterninitiative diabetischer Kinder e.V. dabei und hatte dort die Möglichkeit über das Thema "Aufwachsen mit Diabetes" zu sprechen. Insbesondere interessierte die Eltern dabei - wie auch schon im letzten Jahr -  das Thema Pubertät. Wie immer war der Austausch super spannend und ich schätze es wirklich sehr anderen mit meinen Erfahrungen helfen zu können.


Ende September hatte ich dann meine ersten von der Krankenkasse gezahlten Sensoren. Ein ausführlicherer Bericht wird wahrscheinlich noch folgen. Eins kann ich aber jetzt schon sagen: Mit meinen Werten läuft es viel, viel besser. Ob ich das jetzt Fiasp, dem CGM, einer himmlichen Kraft oder einer Laune meines Körpers zu verdanken habe - es läuft - und das ist die Hauptsache! Mein Hba 1c ist unter 7 und ich hatte das erste mal das Gefühl, dass dieser Wert auch realistisch ist und nicht durch Schwankungen beschönt wurde. Ich habe viel weniger Unterzuckerungen und wenn nicht gerade die Hormone verrückt spielen, möchte ich mich aktuell wirklich nicht beklagen. Auch Ausrutscher nach "oben" habe ich viel weniger. Bevor ich eine kritische Grenze überschreite warnt mein CGM micht und ich habe dann meist noch genug Zeit gegen zu wirken und Schlimmeres zu verhindern.

Diabetestechnisch gut gelaunt startete ich nach meinem 23 Geburtstag Ende November mit meinem lieblings Typ F'ler für einen Kurztrip nach London. Wir liefen an die 20 km pro Tag - trotz Tagesticket für die Underground. Es war eine wirklich schöne Zeit und wir haben die Tage Auszeit bevor es im neuen Jahr direkt mit den Prüfungen los geht sehr genossen. Zu dem Thema Prüfungen und wie es mir dabei in der Regel mit dem Diabetes geht, habe ich dieses Jahr auch einmal einen Beitrag für euch geschrieben. Klickt einfach hier, um dorthin zu gelangen.
Vorher allerdings geht es für mich noch mit ein paar Freundinnen über Silvester nach Budapest. Dort werde ich auch mein Diaversary feiern.


Mit diesen Worten möchte ich mich für das Jahr 2017 verabschieden. Aber nicht ohne Euch auch noch einmal Danke für den lieben Austausch, die vielen Nachrichten und Zusprüchen, wenn es mal nicht so gut lief, zu danken!

Ich wünsche euch eine tolle Weihnachtszeit mit euren Liebsten, einen guten Rutsch (selbstverständlich auch gute Werte!) und ich freue mich schon darauf, wenn wir uns nächstes Jahr wieder lesen. An mir und dem Diabetes soll es jedenfalls nicht scheitern.

Bis ganz bald




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