Das kölsche Grundgesetz - Diabetestauglich?



Dieser Post musste ja irgendwann kommen. Hää? Denkt sich wohl der ein oder andere beim Lesen des Titels. Was sollen diese beiden Dinge denn gemeinsam haben? Und sowieso? Dreht sie jetzt komplett durch? Soviel möchte ich an dieser Stelle schon einmal vorweg nehmen: Das kölsche Grundgesetz und der Diabetes haben mehr, als man vielleicht beim ersten Hinsehen glaubt, gemeinsam. Und auch die Nicht-Kölner werden das womöglich am Ende dieses Postes (dank Übersetzungen) einsehen 😉

Ich für meinen Teil bin Kölnerin - durch und durch. In wenigen Wochen, werde ich nach 3,5 ewigen Jahren im Exil zurück in meine Heimat ziehen . Denn ich bruch minge Dom. Wann also, wenn nicht jetzt, wäre dieser Post passender? Jetzt wo der Umzug von Minute zu Minute näher rückt...
Im Folgenden werde ich euch einmal das Kölsche Grundgesetz aus der Sicht eines Diabetikers näher bringen. Das kölsche Grundgesetz stellt eine Art Regelwerk für das Leben eines Kölners dar. Das Ergebnis ist eine locker leichte Lebensweise, für die die Kölner Bewohner weit über die Stadtgrenzen bekannt sind. Wie diabetestauglich die einzelnen Artikel des Kölner Grundgesetzes dabei sind, bewerte ich anhand von Sternen. 5 Sterne stehen dabei für absolut tauglich - 1 Stern für wenig tauglich. Los gehts!
 
1. Et es wie et es (Es ist wie es ist)
An diesen Punkt gelangt vermutlicher jeder einmal, der irgendwann die Diagnose Diabetes Typ 1 erhält. Leugnen ist zwecklos; Akzeptanz langfristig die einzige Lösung. Denn nach aktuellem Forschungsstand werden wir den Diabetes so schnell erst einmal nicht wieder los. Ändern können wir daran nichts. Also bleibt wohl nichts als Zähne zusammen beißen und der Wahrheit ins Auge blicken: Ich habe Typ 1 Diabetes. Es ist, wie es ist!

2. Et kütt, wie et kütt (Es kommt, wie es kommt)
Artikel 2 des kölschen Grundgesetzes meint, dass man keine Angst vor der Zukunft haben soll, denn es kommt, wie es kommt. Angst vor der Zukunft, ob mit oder ohne Diabetes, bringt selten etwas (außer schlaflose Nächte). Aber insbesondere mit Diabetes ist es wichtig, dass nicht die Angst vor möglichen zukünftigen Spätfolgen siegt. Wir leben im Hier und jetzt. Also lieber jetzt etwas an der Diabetestherapie ändern, als sich das "Heute" durch irgendwelche Horrorvisionen der Zukunft kaputt machen zu lassen.

 3. Et hätt noch immer jot jejange (Es ist noch immer gut gegangen)
Naja, auf gut Glück spielen funktioniert in der Diabetes Therapie nicht immer. Tagtäglich sind wir trotzdem dazu gezwungen, wenn es mal wieder darum geht die 8-Stöckige-Nuss-Nougat-Sahne-Schoko-Torte (oder eben die Portion Nudeln) zu berechnen. Gut geht das leider jedoch noch lange nicht immer. Aber Versuch macht klug und beim nächsten Mal wissen wir es eben besser! Ganz diabetestauglich ist Art. 3 des Kölschen Grundgesetzes dennoch nicht... Zumindest nicht immer!




4. Watt fott es, es fott (Was fort ist, ist fort)
Man soll vergangenen Dingen nicht nachtrauern. Auch im täglichen Leben mit Diabetes macht man sich häufig und vorallem auch noch lange später Gedanken, warum etwas nicht geklappt hat. Wieso war der Wert heute so hoch? Warum bin ich jetzt unterzuckert, gestern war doch noch alles gut?! Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig sich mit solchen Dingen auseinander zu setzen und vorallem auch Analysen durchzuführen. Manchmal aber ist es auch wichtig zu akzeptieren, dass der Tag vielleicht einfach doof war und morgen ein neuer ist, an dem es vielleicht schon wieder ganz anders aussieht. So viele Faktoren haben Einfluss auf den Diabetes, sodass es manchmal schlicht und ergreifend nicht möglich ist zu verstehen, wieso es nicht geklappt hat. Davon darf man sich nicht runter ziehen lassen, sondern sollte stattdessen lieber die Chance nutzen es morgen besser zu machen.




5. Et bliev nix wie et wor (Es bleibt nichts wie es war)
Dieser Artikel besagt, dass man offen für Neues sein soll. Neue Technik?? Hallo hier bin ich! Her damit! Wer als Mensch mit Diabetes offen für Neues ist, geht mit dem technischen Fortschritt. Neue Messmethoden, Pumpen etc? Nicht alles, aber vieles davon bringt uns weiter. Der Alltag mit Diabetes lässt sich besser managen und die Therapie oftmals entscheidend verbessern. Aber nicht alles ist Gold was glänzt: womit wir dann aber schon beim nächsten Punkt wären...




6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet (Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit)
Wenn Neuerungen überhand nehmen, soll man kritisch bleiben. Denn es ist nicht alles Gold was glänzt. Die neusten Diabetikersocken? Der grüne Zimt-Pilz-Smoothie oder eben eine vermeintliche technische Neuheit, die sich bei genauerem hinsehen, als Retrotechnik im neuen Gewand entpuppt. Eine gewisse Grundskepsis ist sicher auch an dieser Stelle nicht verkehrt!




7. Wat wells de maache? (Was willst du machen?)
Ähnlich wie im ersten Artikel des Kölschen Grundgesetzes geht es bei diesem Artikel darum, dass man sich mit dem, was man nicht ändern kann, abfinden muss. Wir können uns das Leben mit Diabetes durch neuste Techniken zunehmend vereinfachen. Aber der Diabetes bleibt. Und mit ihm auch seine Höhen und Tiefen.






8. Maach et joot, ävver nit zo off (Mach es gut, aber nicht zu oft)
Artikel 8 sagt, dass Qualität vor Quantität gilt. Ich denke dass dieser Grundsatz sich vom Prinzip her auf viele Situationen im Leben mit Typ 1 Diabetes anwenden lässt. Lieber einmal eine ordentliche Basalratentestung als ganz viele kleine, die am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes sind. Lieber einmal das Essen richtig berechnen, als danach stündlich den Wert runter zu korrigieren und und und... Trotzdem finde ich es schwierig diesen Artikel zu 100% auf den Diabetes anzuwenden. Deswegen:




9. Wat soll dä Kwatsch? (Was soll der Quatsch?)
Jeder, der an Diabetes Typ 1 erkrankt ist wird sich diese Frage zwangsweise immer wieder stellen. Bei der Diagnose. Bei einer unerwarteten Unterzuckerung. Bei einer nächtlichen Achterbahnfahrt. Bei einem verstopften Katheter. Eigentlich immer, wenn es nicht rund läuft.




10. Drinkste eine met? (Trinkst du einen mit?)
Hm, außer, dass man befreundeten und fremden Diabetikern in einer Notsituation mit einer Cola oder einem Saft aushelfen soll, fällt mir hier beim besten Willen nichts ein. Euch vielleicht?



Edit: Dank eurer Hinweise haben wir für Art. 7 des Grundgesetzes doch noch eine ganz tolle Lösung gefunden: Die Diabetes-Community. Sprich Stammtische und der Austausch untereinander. Wir sind offen und gastfreundlich und setzen uns auch gerne einmal (bei einem Getränk) zusammen um uns über unser Leben mit Diabetes auszutauschen!
Insofern:



11. Do laachste dich kapott (Da lachst du dich kaputt)
Mehr als: "Die Diagnose Diabetes ist kein Grund dafür seinen Humor zu verlieren!"muss man hierzu wohl nicht sagen.





Und? Konnte ich euch überzeugen, dass die kölsche Lebensart, niedergeschrieben in den 11 Artikeln des kölschen Grundgesetzes, weitestgehend diabetestauglich ist? Was meint ihr? Vielleicht sollten wir uns deutschlandweit einfach ab und zu ein wenig an diesen Grundsätzen orientieren. Erst recht mit Diabetes. Ich für meinen Teil weiß jetzt einmal mehr, warum ich zurück möchte 😉 Aber bekanntlich ist ja jeder Jeck' anders, also...


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