Genug ist genug!


In letzter Zeit läuft es nicht rund. Mal wieder. Und ehrlich gesagt habe ich so ziemlich die 
Schnauze voll. Während ich meistens, wenn es einmal nicht läuft, meine Wut auf den Diabetes runterschlucken kann und im großen und ganzen auch wenig nachtragend bin, ist mir gestern die Hutschnur geplatz. Aber einmal von Anfang...

Aktuell schreibe ich zeitgleich an einer Seminar- und meiner Bachelorarbeit. Vorlesungen habe ich wenig, aber ich bin ein Meister darin, mir selber enormen Stress zu machen. So kommt es auch dazu, dass ich teilweise stundenlang wach liege, oder aber gelähmt bin etwas Produktives zu machen, blockiert von Sorgen, viele davon nichtmal berechtigt. Auch wenn ich weiß, dass ich selber diesbezüglich, das größte Problem bin und mir nur selber im Weg stehe, so fällt es mir doch schwer es in den Griff zu bekommen.
Ein anderer Stressfaktor ist dazu noch der Diabetes. Gerade, wenn ich viel um die Ohren habe, kommt dieser schnell einmal zu kurz. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen des Stresses auf meinen Blutzucker... In die Praxis und meinen Diabetesalltag übersetzt, bedeutet das, dass all das auf Kosten meines Schlafes geht, den ich aktuell vielleicht noch dringender denn je gebrauchen könnte.

Genug ist genug!
Gestern war mein Geburtstag. Ehrlich gesagt war mir die perfekte Kurve auf dem Display meines FGMs wegen dieses Anlasses nicht ganz so wichtig wie sonst vielleicht. Bei einem wahnsinnig leckeren Burger, gefolgt von dem wohl leckersten New York Cheescake überhaupt, ist die Vorstellung von perfekten Blutzuckerwerten wohl auch eher utopisch.
Als ich gestern, nach einem wirklich tollem Tag todmüde ins Bett gefallen bin, wusste ich noch nicht, dass der Diabetes mich heute Nacht noch auf dem falschen Fuß erwischen sollte.

Meine letzten Nächte waren alle eine mittelschwere Katastrophe. Zu den oben genannten Gründen und dem Wetter als Auslöser für wenig und schlechten Schlaf, gesellt sich noch ein Diabetes, der insbesondere Nachts macht was er möchte. Schwere Unterzuckerungen, bei denen ich mich noch stundenlang vor Übelkeit und Schüttelfrost im Bett wälze, einem Blutzucker der plötzlich ohne jegliche Vorwarnung ins Unendliche scheint ansteigen zu wollen und sämtliche Versuche dem mit Insulin entgegen zu wirken ignoriert...


Dass ich gestern Nacht emotional etwas angeschlagen war, lag zum einen an besagten Gründen, zum anderen wohl daran, dass ich Geburtstage liebe und in der Nacht auf meinen Geburtstag nach einer kurzen und eigentlich harmlosen Unterzuckerung erst einmal vor Aufregung einige Minuten wach lag. (Ja,... in der Hinsicht bin ich wirklich ein kleines Kind 😂) 

Bevor ich an meinem Geburtstag dann ins Bett fiel, bat ich meinen Freund noch zu messen, sollte er länger wach sein als ich. Gesagt, getan. Gerade in den Tiefschlaf gefallen weckte er mich dann auch und sagte mir, ich müsste noch etwas essen. Auf dem Display meines FGMs war 80mg/dl zu lesen, mit Trendpfeil fallend.  Das alleine war wirklich schon ätzend genug, aber nichts, was ich nicht nach mittlerweile fast 16 Jahren Diabeteskarriere gewohnt war.
Nachdem ich also schnell ein paar Traubenzucker (Pfui) runterwürgte, entschied ich mich wach zu bleiben, weil ich anlässlich meines Geburtstages einen Cocktail getrunken hatte und auch generell Nachts gerne einmal meine Wecker überhörte.
Selten fiel mir das Wachbleiben so schwer wie in diesem Moment. Ich hatte das Gefühl der Schlafmangel der gesamten letzten Wochen lastete plötzlich auf mir und versuchte mit aller Kraft, dass ich meine Augen schloss. Als ich mich dann mit Mühe und Not 20 Minuten wach gehalten hatte (wir hatten übrigens mittlerweile kurz vor 2) scannte ich nochmal, in fester Überzeugung, dass der Wert jetzt und nach einer Menge Traubenzucker, wohl hochgehen würde. Pustekuchen!

Und dann brach es auch mir raus. Eigentlich bin ich insbesondere, was den Diabetes und seine Folgen im Alltag betrifft wirklich hart im nehmen, aber heute, an meinem Geburtstag, hatte er mich wohl auf dem falschen Fuß erwischt. Ich hasste Traubenzucker und ich hasste, dass wir nichts in der Küche hatte, was ich sonst hätte gegen meinen knappen Wert essen könne. Aber am meisten hasste ich, dass es wieder einmal der Diabetes war, der mich nicht schlafen ließ. Und das über eine gefühlte Ewigkeit. Nachdem er mich zuvor schon so viele Stunden Schlaf gekostet hatte, konnte ich kräftemäßig einfach nicht mehr und brach mitten in der Nacht in Tränen aus. So sehr hasste ich ihn gerade, den Diabetes!

Heute, nicht wirklich ausgeschlafen, aber aufgestanden, sieht die Welt schon wieder etwas anders aus. Sonderlich nachtragend bin ich wie bereits oben gesagt nicht, aber an einem Mittagsschlaf, der bis in den frühen Abend andauerte,  kam ich nicht vorbei! Viel für die Uni geschafft, habe ich also auch nicht. Na toll. Ein Teufelskreis!

Wir sind stark und geben sehr viel unserer Kraft und Energie in die Therapie unseres Diabetes. Wenn auch selten, gelange auch ich manchmal an meine Grenzen - und das auch noch nach 16 Jahren Diabetes. Was anderes als stark sein und weiter kämpfen bleibt allerdings nicht. Und das werde ich! Auch Ereignisse wie diese, gehören zum Leben mit Diabetes - auch wenn das Geschriebene in meinen Augen etwas sehr persönliches und emotionales ist, gehört es aber genau deswegen irgendwie hier auf den Blog...Oder? 
  

Kommentare

  1. Oh man, das klingt ja richtig fies und dann auch noch an so einem Tag! Ich kann da richtig mitfühlen. Bei den meisten Sachen klang es wirklich so, als würdest du auch aus meiner jetzigen Situation erzählen :D Ich schlage mich auch gerade mit einer Hausarbeit rum und sitze manchmal einfach gelähmt auf der Couch und kann nichts tun. Dann denke ich, ich werde in den nächsten zehn Jahren mit diesem Studium nicht fertig und bin erst recht handlungsunfähig. Die ganze Zeit denke ich an die Zukunft und dass ich mich mal zusammenreißen müsste, kann nicht schlafen und über den Diabetes will ich eigentlich gar nicht reden. Gegen 3 oder manchmal auch gegen 5 wache ich meistens auf, weil er bei 300 ist, aber eben jede Nacht wann anders. Ätzend. Und bei jeder Korrektur falle ich gleich in eine Unterzuckerung. Da bin ich neulich auch das erste Mal wegen dem Diabetes in Tränen ausgebrochen, auch während einer Unterzuckerung, in der Uni :D
    Ich kann dich also totaaaaal gut verstehen. Irgendwie beruhigend zu sehen, dass man nicht alleine ist, obwohl es natürlich schöner wäre, wenn es dir nicht auch so gehen würde.
    Ich hoffe dass es bald wieder besser wird und du dich besser fühlst, schlafen und auch wieder richtig durchstarten kannst. Setzt dich wegen der Uni nicht so sehr unter Druck. manchmal braucht man diese Zeit und die Pause. Mir fällt es schwer, zu akzeptieren, dass ich gerade wohl nicht so produktiv sein kann, wie ich es gerne wäre, aber vielleicht muss man da etwas gnädiger mit sich selbst sein.
    <3

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  2. Hallo, ich verstehe dich. Es ist nach diesem Disaster ja kein Wunder, daß du ein wenig am Ende warst. Der Diabetes mag nun mal die Kontinuität und nicht , wenn man mal ein bisschen über die Strenge schlägt. Aber so ist es nun mal, Feste muss man feiern wie sie fallen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag und lass dich nicht unterkriegen. Liebe Grüße Gabriela Pasedag

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  3. Liebe Sarah,

    ich kann dich so gut verstehen. Die schlaflosen Nächte wegen Diabetes... ich weiß nicht, wann ich zuletzt mal wirklich entspannt durchgeschlafen habe UND dann mit einem guten Wert aufgewacht bin. Bei mir geht es aber eher in die andere Richtung, also nach oben. Aber auch essen zu müssen, obwohl man gar nicht will, kenne ich natürlich. Wer von uns Diabetikern mag schon gerne Traubenzucker? Und erst recht mitten in der Nacht. Ich kann also echt verstehen, wie es dir geht und auch, dass man daran manchmal verzweifelt. Ich wünsche dir, dass es bald besser läuft. Manchmal braucht man auch einfach etwas Ruhe, eine kleine Auszeit von allem Stress, und dann wird es wieder besser. :)
    Nachträglich alles Gute zum Geburtstag!
    Caro

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