Die Sache mit den Setzhilfen...



Man lädt sie, Positioniert sich richtig, setzt die Hand an den Auslöser und wenn man sich sicher ist, schießt man ab - Peng.

Nein, ich spreche nicht davon, wie man eine Waffe lädt, zielt und abschiesst. Auch wenn es mir manchmal so vorkommt, wenn ich eine Setzhilfe nutze. Setzhilfen gehören in der Diabetes-Therapie heute quasie zur Grundausstattung.


...und ich habe Angst vor Setzhilfen!
Eine Angst die eine Zeit lang soweit ging, dass ich bis zu einer Stunde lang in der Küche saß und trotz gutem Zureden von Seiten meines Papas einfach nicht abdrücken konnte.
Heute läuft es deutlich besser. Das liegt zum einen daran, dass wir in der Küche keine Sitzgelegenheit mehr haben, auf der ich es mir eine Stunde lang bequem machen könnte, zum anderen daran, dass ich und der Diabetes schon eine ganze Weile miteinander auskommen müssen. Trotzdem wäre es gelogen zu sagen, dass mir das Benutzen einer Setzhilfe heute problemlos gelingen würde. Aber einmal von vorne...


Wieso die Abneigung gegen Setzhilfen?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, wann das Spektakel um die Setzhilfe begonnen hat. Wenn ich es mir recht überlege, hatte ich in der Anfangszeit ohne Pumpe sogar einmal Setzhilfen für den Pen, die ich häufig, gerne und vorallem (aus heutiger Sicht unvorstellbar) freiwillig benutzt habe.
Danach habe ich jahrelang Stahlkatheter benutzt, die ohne eine solche Setzhilfe ausgekommen sind. Ich würde vermuten, dass sich die Angst vor den Setzhilfen, die ja eigentlich helfen sollen, in dieser Zeit entwickelt hat. Denn ohne Stechhilfe konnte ich mir aussuchen, wann und vorallem wo ich meinen Katheter setze.
Liebendgerne habe ich also am ganzen Bauch Hautfalten genommen und vorsichtig mit der Nadelspitze getestet, ob diese Stelle weh tut, oder als Katheterstelle für die nächsten Tage in Frage kommt. Ist dieser Test negativ ausgefallen, habe ich ihn an einer neuen Hautfalte wiederholt. Hat sich die Stelle als geeignet erwiesen, wurde der Katheter gesetzt. Eigentlich ganz easy, oder?
Genau das ist aber auch der entscheidende Unterschied zur Stechhlfe. Denn die Stechhilfe nimmt mir genau diese Entscheidung und Wahlmöglichkeit ab. Wenn ich abdrücke wird der Katheter gesetzt. Unabhängig davon ob es wehtun könnte oder eben nicht. Ätzend!


Setzhilfen haben mich mutig gemacht
Naja, zumindest theoretisch sehr ätzend. Denn in der Praxis hat sich die Setzhilfe sehr bewehrt. Auch wenn es mir sehr, sehr schwer fällt das jetzt zuzugeben. Die Setzhilfe hat mich nicht nur mutiger werden lassen, sondern zugleich auch dazu beigetragen, dass der Katheter nun endlich auch einmal neue Körperpartien bewohnen darf.
Heute kommt kaum ein Diabetiker noch um die Setzhilfe herum.
Für mich kam irgendwann der Zeitpunkt an dem es mit meinen geliebten Stahlkathetern einfach nicht mehr klappte. Alle Katheter, die sich als Alternative anboten, waren jedoch an eine Setzhilfe gebunden. Auch das Setzen von CGMs und FGMs ist heute ohne Setzhilfen undenkbar. Aber deswegen auf den Luxus verzichten? Nur wegen ein bisschen Angst? Nein!


Wieso es auch heute manchmal immernoch nicht klappt...
Nachdem es die ersten Male also wirklich Stunden gebraucht hat, bis ich mich endlich dazu druchringen konnte den Knopf (zum Abschuss ;-)) zu drücken, geht das Ganze heute deutlich schneller von dannen.
Das liegt vor allem an den guten Erfahrungen, die ich die letzten Jahre machen konnte. Denn entgegen aller Vermutungen und Sorgen tut das Setzen mit Setzhilfe eigentlich nie weh. Und das schreibe ich jetzt nicht, um da draußen irgendjemandem die Angst zu nehmen (Okay, vielleicht auch ein bisschen... ;-)). Aber: Es ist wirklich so.
Auch, wenn ich heute oftmals noch da sitze und es einige Zeit braucht bis der Befehl die Knöpfe zu drücken meine Finger endgültig erreicht, hat mich mein Mut und insbesondere die positiven Erfahrung mit dem FGM dazu gebracht, dass der Katheter nun auch mal abseits vom Bauch zu finden ist. Denn es tut nicht weh. Und auch wenn es einmal pieksen sollte, ist das noch lange nicht so wild, wie ich es mir vorher in meinen wilden Horrorszenarien ausgemalt habe.
Manchmal allerdings, klappt es trotz dieser überwiegend positiven Erfahrungen auch heute noch nicht. Anfangs beispielsweise musste mein Freund den Auslöser der Setzhilfe des FGMs drücken. Am Arm? Alleine? Das habe ich mich wirklich nicht getraut. Heute hingegen ist das keine große Sache mehr für mich - einfach, weil es noch keinmal weh getan hat! Im vergangenen Urlaub habe ich mich sogar erstmalig getraut meinen Katheter am Oberarm zu setzen. Mit Setzhilfe und ohne Hilfe meines Freundes!


Allerdings gibt es gute und schlechte Tage. Und auch heute geht meine Angst an schlechten Tagen noch soweit, dass ich die Setzhilfe schon positioniert habe und mir einbilde, den Auslöser so feste gedrückt zu haben, dass der "Abschuss" eigentlich gleich kommen müsste... aber nichts passiert.
Nicht selten denke ich mir dann, dass der Katheter/Setzhilfe kaputt sein muss. Dann sammel ich mich und reflektiere, dass es wohl doch wieder einmal nur meine Angst ist, die mich blockiert den Auslöser so feste zu drücken, wie es wirklich nötig ist um den Katheter zu setzen. Bisher war es immer so. Kaputt war der Katheter trotz unzähliger Vermutungen noch nie...

Die Hauptsache ist, dass ich mutiger werde. Auch nach über 15 Jahren Diabetes bin ich noch nicht mit allen Wassern gewaschen. Das merke ich immer wieder. Aber ich arbeite daran. Und das ist das Wichtigste. Was für Andere vielleicht eine Kleinigkeit ist, ist für mich ein Grund sehr stolz zu sein. Und das bin ich auch!

Kommentare

  1. Oh Sarah, das kenn ich! So in die Richtung wars bei mir am Anfang auch und vor allem der Hauptgrund, keinen Teflonkatheter ausprobieren zu wollen. ;-) Ich steche nämlich Spritzen in Millisekunden und muss deshalb die Setzhilfe nehmen....Aber: Mittlerweile klappt's!
    Schönen Tag dir noch! Beate

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  2. Moin moin, ich habe - wenn überhaupt - eher Probleme die Teflon-Kanüle (FlexLink)"manuell" zu setzen, was auch die Gefahr mit sich bringt, das die Kanüle nicht richtig sitzt.

    Ich habe mich von Beginn an mit der Setzhilfe + Teflon-Kanüle anfreunden können (seit 04.07.2011 bei Typ 2). Ich hatte allerdings große Akzeptanzprobleme (+ Schmerzen/Blutergüsse) mit den Stahlkanülen. Habe versuchsweise auch Kanülen von anderen Herstellern getestet, aber auch hier ohne Erfolg.

    Die Teflonkanüle kann ich bis zu 3 Tage tragen und die Setzhilfe kommt entsprechend selten zum Einsatz.

    Trage übrigens zusätzlich seit rd. 3 Monaten das FreeStyle Libre... mein Hba1C ging von 8% (7,2%) auf 6,5% runter, das motiviert ungemein die weitere Setzhilfe zu nutzen ;-)

    Tom

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  3. Mit Stahlkathetern brauche ich keine Setzhilfe.

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    1. Sehe ich auch so. Eine Setzhilfe für Katheter nimmt bei Reisen auch wieder Platz weg. Beim FreeStyle Libre stört mich, dass man jedes mal eine neue Setzhilfe braucht. Zum Glück nur alle 14 Tage.

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