Über Traubenzuckerflauten am Notausgang und noch viel mehr - #DXStockholm











"Junge Dame, was ist denn das für ein Gerät?" Das erste mal in 16 Jahren Diabetes und sicher nicht wenigen Flügen, wurde ich das an den Sicherheitskontrollen des Flughafens gefragt. Nachdem ich zuvor von einer Dame schon mehr als unsaft an der Stelle meines Katheters abgetastet wurde und diese sich scheinbar nur durch meinen bissigen Kommenar und bösen Blick bremsen ließ, hatte ich auf so doofe Fragen ja so gar keine Lust mehr. Nur gut, dass sich der Herr, der sich meinen Koffer heraus gefischt hatte mit meiner Erklärung "Insulinpumpe" ohne große Umschweife zufrieden gab. Ich bin mir ja sicher, dass das Pink ihn verwirrt hat. Noch heute rechne ich ja jedes mal damit, dass meine Pumpe eines Tages dem großen Drogentest unterzogen wird, wie ich es bereits von anderen Diabetikern gehört habe. Vielleicht sehe ich einfach zu nett aus...

Achso, wer es noch nicht ahnt: Es geht nach Stockholm zum #DXStockholm, einem Blogger Event zu welchem Abbott eingeladen hatte. Es handelt sich um die Fortsetzung des #DXBerlin, das letztes Jahr fast zeitgleich stattgefunden hatte. Hier hatte ich auch schon einmal darüber berichtet.

Annika von 'Die-Welt-mit-Diabetes' und ich hatten eigentlich schon im Vorhinein verabredet, dass wir uns am Flughafen kurz vor Abflug treffen. Dass das endgültige Treffen dann wortwörtlich zwischen Tür und Angel auf der Toilette stattfand, hatte ich einem Blutzucker von 300mg/dl zu verdanken. Dabei fanden wir im Nachhinein sogar noch heraus, dass wir die ganze Zeit schon quasi nebeneinander saßen.


Worauf ich allerdings eingentlich hinaus will, ist die Situation im Flugzeug. Wer kennt es nicht? Bei einem hohen Wert lässt in aller Regel der Durst nicht lange auf sich warten. Und wer nicht bereit ist im Sicherheitsbereich des Flughafens mehrere Euros für ein Wasser auszugeben, wartet wie ich sehsüchtig, bis Getränke in luftiger Höhe serviert werden.
Fliegen mit hohem Wert ist nicht nur anstrengend, weil man entweder eine gute Blase haben muss, oder alternativ mehrfach auf die nicht sonderlich geräumigen Flugzeugtoiletten rennen muss. Und nicht nur das. Spätestens als ich das dritte Getränk in wenigen Minuten forderte ( die Flugzeug Glässchen sind aber auch wirklich nicht groß ), schaute die Stewardess etwas verwundert mehr als verwundert aus.

Am Flughafen angekommen fand sich schon eine größere Gruppe von Teilnehmern zusammen. Ein Teil von ihnen hatte sich dank Knöpfen und sichtbaren Schläuchen bereits erkannt. Manchmal kann und will und sollte man den Diabetes auch einfach nicht verstecken. So ist das nunmal. Und sind wir mal ehrlich, wir haben uns genau über diese Erkennungsmerkmale so riesig gefreut!



Links nach rechts: Kariem, Annika, Sarah, Lisa, Sascha von sugartweaks.de
Der erste Tag war voll mit Workshops. Insbesondere der Vortrag einer Referentin hat mich besonders beeindruck. Die Frau berichtete darüber, dass bei ihr sehr jung Brustkrebs diagnostiziert wurde und sie genau wie viele von uns nach Hilfe und Austauschmöglichkeiten im Internet gesucht hatte. Angesichts ihres jungen Alters bei der Diagnose stellte sich das aber als schwierig heraus und sie  begann selber aktiv zu werden. Ihr ging es vor allem um Erfahrungsberichte bezüglich Schwangerschaften nach ihrer Diagnose. Die Geschichte dieser Frau hat mich wirklich beeindruckt. Vorallem, dass sie am Ende irgendwie alles geschafft hat, hat mich sehr berührt und mir nochmal gezeigt, dass das Leben auch mit Diabetes weiter geht!
Und einem weiteren Workshop muss ich meine Anerkennung aussprechen. Denn was diverse Lehrer in 10 Jahren Schule nicht geschafft haben, schaffte es diese Truppe innerhalb von wenigen Minuten mein Interesse an Biologie zu wecken. Wir machen DNA sichtbar. Und jetzt wo ich das einmal kann bin ich mir sicher, dass der Nobelpreis nicht mehr lange auf sich warten lässt. Der Schritt von DNA sichtbar machen, ein bisschen dran rumbasteln und schließlich Diabetes heilen kann ja nicht so schwierig sein ;-)



Das wirklich tolle an Events wie den #DX Events ist der europaweite Austausch. Sprachhindernisse? Gibts nicht. Wenn der FGM-Graph des Nachbarn gerade Achterbahn fährt, bedarf es unter Diabetikern keine Worte. Ein Blick genügt. Egal ob besagter Nachbar Schwede, Italiener oder was auch immer ist. Geredet haben wir trotzdem viel - auf englisch eben.
Die Inhalte lassen sich schnell und einfach zusammefassen. Es ging zum Beispiel um die unterschiedlichen Gesundheitssysteme; in Italien bespw. ist man abhängig vom Wohnort versichert. Gesprächstthema Nr. 1 bleibt bei solchen Veranstaltungen aber immer das gemeinsame BE-Schätzen, das wortwörtliche Auskotzen über Blutzuckerwerte und das Teilen von Hypohelfern.
Und das sogar Tag und Nacht. Wenn man überhaupt von Nacht sprechen kann. Denn in Schweden geht es auf den Mittsommer zu. So wirklich Gedanken darüber hatte ich mir nicht gemacht. Schnell sollte sich das ändern, als wir Nachts um 3 plötzlich nahezu im Hellen saßen. Ob man hier schon von einem Jetlag reden kann? Nur gut, dass ich mich mit dieser Frage angesichts der Tatsache dass wir unabhängig vom Sonnenaufgang eh bis 3 Uhr wach blieben nicht auseinander setzen musste.


Nach ca. vier Stunden Schlaf sollte es schon weiter gehen. Wir hatten die Möglichkeit mit einem Entwickler des Sensors von Abbott zu sprechen. Soviel sei verraten: All zu lange lässt die offizielle App 'Libre Link' nicht mehr auf sich warten.
Vor dem Gespräch mit dem anwesenden Entwickler hatte Lisa allerdings eine schwere Unterzuckerung. Wie es dazu kam und vorallem wie es ihr dabei erging, könnt ihr hier in ihrem Post lesen. Diese Situation hat allen Anwesenden gezeigt, dass Sprachbarrieren etc. nichts daran ändern, dass wir alle für einander da sind. Nachdem Sanitäter Lisa untersucht hatten und feststand, dass sie nach Hause reisen darf, buchte Kariem von Abbott DE(o) ihren Flug um, sodass sie mit ihm und mir nach Hause fliegen konnte. Für mich war das die erste schwere Unterzuckerung die ich jemals miterlebt habe. Jedem von uns kann genau das passieren. Die Nachwehen dieser Unterzuckerung mit zu erleben und zu sehen was das wirklich bedeutet, hat mich noch länger beschäftigt. Denn so eine schwere Unterzuckerung geht an niemandem spurlos vorbei...
Als wir vom Hotel aufbrachen bezeichneten wir uns schnell als Lisas persönliches Gesundheitsmanagement und brachten sie sicher zum Zug Richtung Heimat. Und auch wenn der Grund, warum wir schlussendlich zu Dritt im Flieger saßen, alles andere als schön war, hatten wir doch eine Menge Spass!


Apropos Rückflug. Am Anfang dieses Posts habe ich bereits von einem ersten Mal, dass ich bei dieser Reise erlebt habe, berichtet. Auf unserem Flug von Stockholm nach Frankfurt sollte ich ein Weiteres erleben. Ich hatte die große Ehre am Notausgang zu sitzen. Und die Vorgaben, dass kein Gepäck dort während Start und Landung liegen darf (Ja, ach nicht unter dem Vordersitz) nahm die Fluggesellschaft mehr als ernst. Also, damit euch nicht das selbe wie mir passiert und ihr nicht wegen einer Unterzuckerung während Start oder Landung an den Traubenzuckervorrat eures Sitznachbarn gehen müsst (Danke nochmal Lisa ;)), setzt euch entweder nicht an den Notausgang, oder aber sichert euch Traubenzucker bevor euch die Tasche vor der Landung entrissen wird. Naja ganz so schlimm war es jetzt wirklich nicht, aber doch eine Erfahrung und gut zu wissen!
Zu guter letzt möchte ich mit diesem Bild diesen Post beenden. Denn die Hotelzimmer waren alle, genau wie das gesamte Hotel im Stil der 20er Jahre gehalten. So kam es, dass in meinem rosa Zimmer ein ebenso rosa Bild von einer Zuckerwatte hing. Und mit einer Zuckerwatte im Zimmer ist man jawohl bestens für alle Hypos gewappnet. Dieses Foto findet ihr übrigens auch auf Instagram (@dia_beat_this.de), wo der Blog nun auch seinen eigenen Account hat. Also schaut auf jedenfall mal vorbei! :)


Hier geht es zu den Beiträgen der anderen Blogger:
Antje von Süßhappyfit - hier entlang
Lisa von Lisabetes - hier entlang 
Sascha von Sugartweaks.de - hier entlang

In Englisch:
Everyday ups and downs with diabetes - Mike
Thebackpackerandthepod - Lydia
Missjengrieves - Jen

Es grüßt euch,





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