Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - auch für den Diabetes?


Unser Ziel: Las Vegas - die Stadt die niemals schläft. Und geschlafen hatten wir in den letzten Stunden weißgott wenig. Als wir endlich an unserem Ziel ankamen, waren wir bereits über 20 Stunden auf den Beinen. Aber wir wussten worauf wir uns eingelassen hatten und schauten trotz Schlafmangel und einem Achterbahnfahrendem-Blutzucker mit einem Lächeln auf die kommenden 10 Tage, die uns im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bevorstanden.

Das Land der unbegrenzten Herausforderungen
Eine Reise wie diese, kann aus vielen Gründen herausfordern. Nicht zuletzt, spielt der Diabetes dabei auch eine entscheidende Rolle. Im Folgenden möchte ich euch gerne ein paar Dinge aufzählen, die ich bei meiner diesjährigen Reise beachtet, gelernt und vorallem beobachtet habe.

Herausforderung 1:
Bezüglich des Umgangs mit der Zeitverschiebung, die in Nevada immerhin beachtliche 9 Stunden beträgt, kursieren viele Ratschläge, die besagen, man solle die Basalrate nach einem bestimmten Schema anpassen. Ich machte es auf meine eigene, alt bewährte Art. Irgendwann, spätestens bei der Landung stellte ich die Uhrzeit meiner Pumpe auf Ortszeit um. Auch wenn das ganz und gar nicht dem Diabetesmusterschüler entsprach, hatte ich mich auch diesesmal dazu entschieden mich auf mein Gefühl zu verlassen. Denn ich wusste, dass mein Blutzucker unabhängig von irgendwelchen Schemata, alleine durch den veränderten Tagesrhytmus sein eigenes Ding machen würde. Und so war es auch.
Womit wir zu der nächsten Herausforderung kämen.

Herausforderung 2:
Um es kurz schon einmal vorweg zu nehmen, möchte ich sagen, dass die Existenz dieser Herausforderung alleine auf meiner (unstillbaren) Liebe zu Essen im Generellen und insbesondere zu Fastfood beruht.  Denn das amerikanische Essen, ist in aller Regel und vorallem dann, wenn man nicht bereit ist umgerechnet 15-20 Euro für einen Salat zu bezahlen, Fastfood, welches den Blutzucker bekanntermaßen regelmäßig in die Höhe schießen lässt. Dazu kommt (wie bereits oben gebeichtet), dass ich natürlich bei Angeboten wie einer mit Schokolade überzogenen Banane nie und nimmer nein sagen könnte. Stichwort ist hier wohl der Spritz-Ess-Abstand. Nur blöd, wenn all das Essen wie gesagt "Fastfood" ist und somit meistens innerhalb weniger Minuten, also wirklich ziemlich Fast, den Weg in den Mund findet. Das schafft wohl aktuell noch kein Insulin der Welt so schnell...

Aber ich bereue nichts, denn nach jedem Hoch kommt ja bekanntlich auch wieder ein Tief, ... oder war es umgekehrt?! Der Diabetes ist ja immer wieder für eine Überraschung zu haben!
Das Essen hat in der Regel mithilfe seines hohen Zucker- und Fettanteils genau den richtigen Nerv getroffen und mich zumindest kurzfristig überglücklich gestimmt ;)
Und ganz so schlimm wie es vielleicht auf den ersten Blick klingt, war es ja nun auch nicht. Entgegen einiger Klischees ist es ja eben nicht so, als würden wir uns Zuhause in Deutschland nur von Kartoffeln und Salat ernähren. Wegen dem Diabetes auf etwas verzichten? Das möchte ich nicht! Insbesondere nicht in einem wohlverdientem Urlaub.

Herausforderung 3: 
Eine mindestens genauso große Herausforderung ist der völlig veränderte Tagesablauf. Die Stadt haben wir in aller Regel Zufuss erkundet. Und da kamen sicher einige Kilometer (und Blasen an den Füßen ;-)) zusammen.
Wie viele Diabetiker wissen, hat auch nicht zuletzt das Wetter einen Einfluss auf unsere Blutzuckerspiegel. Bei Sonnenschein und knappen 25 Grad durch die Wüste Nevadas zu laufen, bringt also nicht nur die Füße an ihr Äußeres. Wichtig ist besonders unter diesen Umständen, dass auch das Insulin nicht ins Schwitzen gerät.
Wenn ich in einer großen Stadt unterwegs bin, habe ich mir angewöhnt, immer ein kleines Handdesinfektionsmittel mit mir zu führen. In Städten auf deren Straßen täglich Millionen von Menschen unterwegs sind, fühle ich mich mit einem solchen Mittel vorallem wohler, wenn es ums  Blutzuckermessen geht. Denn ich muss zugeben, dass es vermutlich schon einige Jahre, wenn nicht sogar bereits ein Jahrzehnt her ist, dass die alten "Tupfer" Tageslicht gesehen haben. Im Alltagsstress ist der Finger nunmal meist schneller einmal abgelutscht o.Ä. Der Hygiene wegen nutze ich gerne ein Handdesinfektionsmittel, nicht nur zum desinfizieren vor dem Messen, sondern auch einfach für zwischendrinnen. Sei es nach einer Bahnfahrt, vor dem Essen oder beim Shopping. Genauso wie in diesem Urlaub eben auch.
 
Alles ist möglich - mit Diabetes
Ich erwähnte schon, dass die USA für ihr großes Angebot an Fastfood bekannt ist. Und wenn man eins lernt, ist es, dass meist auch eine riesen Auwahl an Softdrinks nicht weit nach sich suchen lässt. Im Falle einer Unterzuckerung jedenfalls nicht die schlechteste Anlaufstelle.
Vermutlich nirgendwo anders auf der Welt gibt es soviele unterschiedliche Getränke und andere Leckereien, die während einer Hypo scheinbar nur darauf warten den Heißhunger zu stillen. Über Cupcakes, Ice cream... M&Ms! Alles was das unterzuckerte Diabetikerherz begehrt.


Das gilt zumindest so lange, bis man die Stadt verlässt.
Während man in Großstädten wie Las Vegas an jeder Ecke einen Burger und/ oder ein Softdrink gegen die weichen Knie bekommt, sieht das ganz schnell anders aus, wenn man den Highway Richtung Wüste nimmt. Wir hatten uns ein Auto gemietet, welches uns mit einem Zwischenstopp zum Grand Canyon bringen sollte.
Um hier bösen Überraschungen vorzubeugen, empfiehlt es sich als Diabetiker ein paar kleine Vorbereitungen zu treffen. Aber auch ohne Diabetes braucht ein solcher Ausflug durchaus Vorbereitung, wenn man nicht mitten in der Wüste Arizonas stranden möchte.
Da es in der Wüste immer wieder Streckenabschnitte gibt, auf denen meilenweit nichts als Einöde ist, empfiehlt es sich zusätzliche Diabetesutensilien zum Wechseln einzupacken. Je nach Jahreszeit gilt es hier auch zu beachten, dass das Insulin nicht zu warm werden darf. Wenn das Auto eine Klimaanlage hat, ist man in der Regel gut gewappnet. Auf keinen Fall sollte vergessen werden ausreichend Hypohelfer einzupacken!

Und am Ziel angekommen (hoffentlich ohne diabetische Ausrutscher), bekommt man noch einmal gezeigt, wie sehr sich all das und die eventuell angefallenen kleinen extra Diabetes bedingten  Herausforderungen gelohnt haben. Auch wenn eine solche weite Reise mit Diabetes einen gewissen Mehraufwand bedeutet, weiss man spätestens bei einem Ausblick wie diesem, wofür man es gemacht hat.
Vorallem hat diese Reise mir wieder gezeigt, wie viel wir mit Diabetes machen können und dürfen. Wir können Reisen, Arbeiten und unser Leben genießen. All das soll nicht heißen, dass der Diabetes nicht manchmal auch super nervig und ein Blödmann sein kann. Auch ich könnte mir ein Leben ohne ihn definitiv vorstellen... Aber alles in allem sollten wir froh über das sein was wir haben und können! Und am Rande des Grand Canyon zu stehen, gehört für mich definitiv dazu!

 

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