Wirst du denn nie müde?


Hallo liebe Leidensgenossen,

normalerweise bin ich ja nicht der Typ, der wegen ein bisschen Diabetes in Selbstmitleid badet. Aber nach dem gestrigen Tag und gefühlten 3 Stunden Schlaf (und das in der Prüfungsphase !) erlaube ich mir diese Ansprache ausnahmsweise einmal.
Aber keine Sorge, der Diabetes-Mitbewohner und ich haben es bisher immer wieder geschafft uns zusammen zuraufen. Dieses mal könnte es nur ein bisschen länger dauern. Ich bin nämlich echt sauer und hätte mir etwas mehr Mitgefühl und Rücksicht für ein funktionierendes Zusammenleben gewünscht!

Aber einmal von vorne.

 ...Ich gebe zu, in der Prüfungsphase nicht der grösste Vorbildsdiabetiker zu sein. Sei es die Messhäufigkeit oder meine Ernährung. Hauptsache es geht schnell und wenns schmeckt wärs auch ganz nett.
 Kurz gesagt sind meine Werte wegen des ganzen Prüfungsstress eh eher ein einziges Ratespiel, mehr Glück als Verstand.
Leider wollte das Diabetesmonster dem Ganzen dann vorgestern Abend (okay, zugegeben: Nach einer Pizza - die ich aber berechnet habe ;-)) die Krone aufsetzen.
490. Na Glückwunsch. Das habe ich grade noch gebraucht. Als wäre eine Mathevorlesung nacharbeiten nicht schon genug.
Schnell einmal den Pumpen-Rundum-Wechsel vollzogen und es dann über Stunden hinweg mithilfe von Pen und einer Menge Wasser auf 200 geschafft. Nochmal korrigiert, und schlafen gegangen.

Die Quittung kam dann Mittwoch morgen, Ich weiss wirklich nicht wann ich das letze Mal mit Übelkeit aufgewacht bin, aber ich ahnte nichts Gutes. 270. Blödes Diabetesmonster!
Das selbe Spektakel vom Vorabend wieder. Korrigiert, getrunken und es in relativ kurzer Zeit wieder auf 200 geschafft. Kurz was gefrühstückt und irgendwie aus dem Bett in die Vorlesung gequält.

Es lief also doch.

Leider eher rückwärts und bergab, wie mir das Diabetesmonster schnell zu verstehen gab, denn es verging keine Stunde, bis mir plötzlich wieder übel wurde, und ich Schweissausbrüche bekam. So kenne ich mich gar nicht. Aber vorstellen, dass der Mitbewohner wieder Spielchen spielen könnte, konnte ich mir nach so einer Nacht auch nicht. 513.Wird der Diabetes denn nie müde?
Um den Anderen eine immer grüner im Gesicht werdende Sarah zu erspare,n ging ich also nach Hause und entschied mich angesichts der Symptome erst einmal Ketone zu messen.
Das Ergebnis überraschte mich nicht wirklich, und erklärte wieso das Treppensteigen in die Wohnung so eine grosse Herausforderung dargestellt hatte. Ketone: ++

Eine Wanne voll Selbstmitleid bitte.

Aber erstmal war Wasser runterschlingen angesagt und Frust von der Seele reden. Denn ich kam mir zunehmend immer mehr von meinem eigenen Körper auf den Arm genommen vor.

Ich startete den Versuch nochmal das Insulin zu wechseln, und schob meinen Erfolg; es nach 3 Stunden endlich auch 300 geschafft zu haben, auf diese Wahnsinnsidee.
Also erlaubte ich es mir dann auch als wir irgendwann gegen Abend mit einer Bsalrate auf 200 % und sicher noch 6 Resteinheiten Pen-Insulin intus, das erste mal etwas ordentliches zu essen. Die Ketone waren nämlich schon lange mit der Übelkeit verschwunden, und der Hunger dafür umso grösser.

Ich muss zugeben: Ich hatte kurzfristig darüber nachgedacht, dass wenn sich in der nächsten Stunde nichts tut ich ins Krankenhaus fahre. Hätte der Mitbewohner dann davon gehabt. Jedoch wäre das das erste mal in meiner 15 Jährigen Diabeteskarriere gewesen, und soviel Genugtuung hatte das Diabetesmonster dann auch wieder nicht verdient. Also setzte ich mir als Ziel: Heute keine Krankenhaus-Prämie.

Als ich dann also frisch gestärkt um 11 Uhr (Nachts!) endlich ins Bett fiel, dachte ich, es wäre jetzt für die nächsten Jahre mit Ketonen und Co erstmal wieder überstanden.
Ha.Ha.Ha.
Ein seltsamer, mir bekannter Durst, den ich am heutigen Tage schon zu genüge empfunden hatte liess mich stutzig werden. Den Gedanken: Irgendwann muss das Diabetesmonster ja müde werden, verwarf ich schnell. Das Gegenteil hatte es mir ja bereits bewiesen.
350, Schluchz. Schluchz.
Langsam fing ich an mir Gedanken über schwarze Magie und andere übersinnliche Kräfte zu machen. Hatte man mir damals in der Apotheke Orangensaft statt Insulin verschrieben?
Ich korrigiere und mass 45 Minuten später wieder. 440. Jetzt reichte es!
Komplett entnervt und verzweifelt schickte ich Philippe einen neuen Katheter holen, während ich meinen Alten entfernte und somit auch den Übeltäter entlarvte.

Ein krummes Etwas sprang mir ins Gesicht. Nachdem ich am ersten Abend den Katheter gewechselt hatte, war ich davon ausgegangen, dass es am Katherer nicht liegen könnte, sonst hätte ja:

a. die Pumpe vielleicht mal einen Alarm wegen Verstopfung gegeben
b. wäre an dem Abend mein BZ nicht gesunken...

Jedenfalls läuft es jetzt fürs erste (vorwärts und bergauf ;-)), nachdem ich die halbe Nacht mit Messen und auf Klo rennen, wegen des ganzen Wassers, verbringen durfte.
Und das Diabetesmonster wird weiterhin erstmals mit Schweigen bestraft.
Es war genau einer dieser Tage, die ich damals schon in meinem Brief an das Diabetesmonster erwähnt hatte.
Einer dieser: Ich-möchte-getrennt-Urlaub-machen-Tage.
2 kaputte Katheter auf einmal.
Soviel Glück muss einer erstmal haben...
Immerhin Lord Voldemord und Co waren wohl unbeteiligt an diesem Schauspiel, und auch die Apotheke trifft keine Schuld. Fürs nächste mal lerne ich: Lieber einmal zu viel Katheter wechseln...


Achja und Fazit der Geschichte: Ein Diabetesmonster schläft nie.
Allzeit bessere Werte



Kommentare

  1. Ganz schön erschreckend hartnäckig Dein unkündbarer Mitbewohner mit lebenslangen Wohnrecht. Genau so sahen meine Teflon Katheter auch aus, ein richtig schöner rechtwinkliger Knick beim raus ziehen. Ich hatte allerdings das Glück, das mein zweiter Katheter funktionierte und so war erst einmal nach 5 Stunden Ruhe, das Monster besiegt. Aber das kam immer mal wieder zu den ungelegensten Zeiten natürlich. Irgendwann wurde gar meine Pumpe zur Reparatur geschickt aber auch das half nichts, bis ich kapiert hatte, das es an den doofen Teflon Kathetern liegt. Seitdem habe ich nur noch die Stahlkatheter (sure-t) und es wurde besser, richtig gut sogar und ich habe das Vertrauen in meine Pumpe wieder gefunden, das geht irgendwann nämlich flöten, wenn so etwas zu oft passiert. Sieh es positiv, Du bist jetzt eine Erfahrung reicher, und noch einmal ärgert er Dich damit nicht, jedenfalls nicht so lange. Gruß thomas

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  2. Ahoi Sarah, ich habe mit den Teflonkathetern auch solche Erfahrungen gesammelt. Deshalb nutze ich jetzt nur noch Stahl.

    Nach mehr als 20 Jahren hatte ich die vergangenen Wochen die ErErkenntnis, dass andauernder Schlafmangel und Stress sich ebenfalls wie pure Glukose auswirken können.

    Ich drücke dir für deine Klausuren die Daumen und zeig dem Mitbewohner, wer die Chefin ist. ;-)

    Herzliche Grüße

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