Technische Revolution - Das Freestylelibre


Was für die Nicht-Betroffenen die Neuerscheinung des Iphones ist, war für uns Diabetiker diese Woche die Eröffnung des Online-Shops für das Freestyle Libre.

Selten bin ich morgens so rasch aus dem Bett gesprungen, wie am Donnerstag, als ich in aller Frühe auf meinem Handy bei Facebook sah, dass der Online Shop für das Freestyle Libre eröffnet ist.

Aufgrund der riesigen Nachfrage, für dieses in meinen Augen revolutionäre Messgerät, funktionierte der Online-Shop aber nur zeitweise. Immer wieder schien die Seite so überlastet, dass man an irgendeinem Teil der Bestellung scheiterte. Und das bis in den späten Nachmittag. Irgendwie hatte ich es dann in der Uni mit Laptop und einer Menge geduld bewaffnet doch geschafft, eine der ersten Besteller zu sein.
Verwundern tut mich die riesen Nachfrage keineswegs. Denn die Technik des Freestyle Libres ist revolutionär. Scannen statt messen. Und das 14 Tage am Stück. Dazu braucht es nur einen Sensor, der ähnlich wie ein Katheter gesetzt wird und ein Auslesegerät.
Durch das in die Nähe bringen des Gerätes an den Sensor, zeigt dieser den alktuellen Wert an sowie die Tendenz. Und der Tagesverlauf wird zusätzlich in einer Kurve nocheinmal verbildlicht.

Heute morgen kam mein Libre dann endlich an. Ich habe per Paketverfolgung jeden der letzten Meter bis zur Haustür verfolgt. Als es dann endlich da war, war ich positiv überrascht, wie schnell sich der Sensor anbringen lässt. Ich hatte nämlich noch genau 15 Minuten bis Vorlesungsbeginn und meine Ungeduld lies es nicht zu, mit dem Anbringen des Sensors bis heute Nachmittag zu warten.

Da ich aber grundsätzlich eine Setzhilfen-Phobie (Ursprung Unbekannt) habe, viel mir das Setzen, das dazu noch am Oberarm empfohlen wird, wo ich eh noch nie irgendwas hingesetzt habe, geschweige denn auch nur ein bisschen Fettpolster ist, erstmal echt schwer. Und weil wir ja wie gesagt unter Zeitdruck standen, gab ich den Sensor inklusive Setzhilfe kurzerhand meinem Freund in die Hand, der dann erbarmungslos abdrückte. Und Überraschung: Alles nur halb so schlimm. Genau gesagt habe ich nicht mal einen Pieks gespürt.

Wenn der Sensor dann einmal sitzt, braucht er eine Stunde, bis er genutzt werden kann. Die Stunde kam mir mindestens so lange vor, wie das Abschliessen meiner Bestellung im Online-Shop. Aber irgendwann hat es dann geklappt.

Da ich seltenst irgendwelche Anleitungen oder Ähnliches lese, war ich aber ziemlich geschockt als ich dann direkt mal Messgerät und FGM verglich. Bis zu 50 mg/dl wichen die Werte von einander ab.
Wie sich später durch ein paar Nachforschungen rausstellte, alles nur halb so schlimm. Der Sensor braucht bis zu 12 Stunden bis Messgerät und FGM dann tatsächlich übereinstimmen.
Trotz der Abweichungen, die ich ja einfach dazu rechnen konnte scannte ich ständig. Eine richtige Sucht wenn ihr mich fragt, wenn man einmal damit anfängt.
 Dann kam aber auch schnell der erste Schock und vor meinem inneren Auge sah ich grade 60 Euro verbrennen (soviel kostet zurzeit nämlich ein Sensor ausserhalb des Starterpaketes). Folgender Fehler wurde mir vom Libre angezeigt:
 10 Minuten waren bei meiner Ungeduld die Hölle. Ausserdem, wer garantierte mir, dass es nach den 10 Minuten wieder funktioniert ?
Es funktionierte nach 10 Minuten wieder. Gott sei dank! Jemand löschte das Feuer in meinem inneren Auge. In einer Facebookgruppe, in der ich meiner Angst direkt Luft gemacht hatte, haben wir dann die Vermutung aufgestellt, dass ich zu oft hintereinander gescannt habe.
Solange es jetzt funktioniert ist mir das ehrlich gesagt eigentlich auch ziemlich egal.
Weil bisher finde ich die Technik trotz erster Anfangschwierigkeiten genial und absolut revolutionär. Ich kann viel diskreter messen, ich habe im Verlaufe des Tages soo oft gescannt, wie ich sonst vermutlich grade mal so in 4 Tagen messe.

Schade nur, dass die Krankenkassen noch nicht die Vorteile dieser Art zu messen, sowohl was die Lebensqualität betrifft als auch die Wrtschftlichkeit, erkannt haben. Aber soviele Diabetiker die überzeugt sind, kann das nicht mehr lange dauern. Das ist die Zukunft.
Ich bin gespannt und werde nach ein paar Tagen gemeinsam mit meinem neuen Begleiter sicher nochmal genauer informieren.

Messgerät und FGM stimmen jetzt übrigens überein. Und ich kann gar nicht die Finger davon lassen.
Auch wenn mich der Touchscreen bisher mehr aufgeregt hat, als mir die Bedienung zu erleichtern...

















1 Kommentar

  1. Hallo Sarah, als Neu-Diabetiker (Pankreastektomierter) habe ich Deinen Artikel mit Begeisterung gelesen. Wie sieht Dein Fazit nun nach einigen Monaten aus? Ich werde den freestyle libre auch testen, da man hier viel engmaschiger überwachen kann. Bist Du immer noch von dem Sensor überzeugt? (Karl aus Köln)

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