FGM und SEA - Abkürzungen und virtuelles Berge erklimmen


So viele Abkürzungen. Wir Diabetiker haben da teilweise schon unser ganz eigenes Vokabular. Kein Wunder also, dass manch ein Nicht-Betroffener einen skeptisch beäugt wenns grad wieder ums CGM, FGM, die Basalrate oder eben den SEA geht.
Über das neue Messsystem von Abbott habe ich in meinen letzten beiden Posts schon ausführlich berichtet (Teil 1- hier / Teil 2- hier).
Es handelt sich hierbei um das sogenannte Flash-Glucose-Monitoring, mit dem das Pieksen zum Blutzuckermessen überflüssig wird. Ein Sensor reicht aus, welcher sobald er in die Nähe des Lesegerätes kommt automatisch den aktuellen Glukosewert übermittelt und diese auch bin zu 8 Stunden speichert, sodass man, wenn auch nicht live, einen Tagesverlauf angezeigt bekommt. Soweit, so gut.
Aber was zur Hölle war denn gleich nochmal dieser SEA? Die letzte Diabetesschulung liegt schon Jahre zurück, und sind wir mal ehrlich: schnellwirkende Insuline sind heute in fast jedem Pen, jeder Pumpe, jeder Einwegspritze vertreten. Wo wir auch gleich beim Thema wären.
Der Spritz-Ess-Abstand.
Eigentlich ist dieser dafür gedacht, einen rasanten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen zu vermeiden. Denn leider braucht auch das schnellste Insulin ein paar Minuten bis es tatsächlich wirkt. Und solange steigt der Blutzucker. Um dem entgegen zu wirken, soll man also schon einige Minuten vor dem Essen Insulin spritzen, damit das Insulin mehr oder weniger zeitgleich mit dem Essen verarbeitet werden kann.

Die Routine, der Alltag, der Stress oder einfach die Unlust. All das sind Indikatoren, wieso man genau diesen Abstand dann aber doch nicht einhält.

Meistens lässt sich das Ganze dann sogar noch recht gut mit dem Gewissen vereinbaren. Denn bis man dann tatsächlich nach dem Essen nochmal gemessen hat, ist der Blutzucker schon längst wieder im Normalbereich.
Blöd nur, wenn das oben beschriebene FGM genau das nicht mehr zulässt. Plötzlich sieht man mal was wirklich erstmal nach dem Essen passiert. Eine wortwörtliche Achterbahnfahrt.

Und schon lässt sich das Ganze gar nicht mehr so gut mit dem Gewissen vereinbaren. Leider funktioniert die Einstellung, 'was Sarah nicht weiss, macht sie nicht heiss' jetzt seitdem der Sensor mich Tag und Nacht an meinem Oberarm klebend begleitet, gar nicht mehr.
Und irgendwie ist das auch gut so.

Denn dank des SEA (Spritz-Ess-Abstandes) habe ich es heute seit einer Ewigkeit mal wieder geschafft, unberechenbare Aufbackbrötchen zu essen, ohne danach den virtuellen FGM-Mount Everest zu erklimmen.



















Es ist spannend zu sehen, sei es auf dem FGM oder einem CGM, wie sich der Blutzucker tatsächlich verhält, wenn man grade mal nicht misst. Manchmal ist der nämlich wirklich mehr als gemein und hinterhältig. Vorallem nach dem Fast-Food-Essen, wie ich gestern feststellen musste.



Kommentare

  1. Hey Sarah,

    ich musste schmunzeln über Deinen "FGM Mount Everest"! Herzlichen Dank für Deine tollen Erfahrungsberichte im Kontext von FGM/FreeStyle Libre!

    LG Micha

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    1. Danke Michael. Freut mich, dass er dir gefallen hat :)
      Liebe Grüsse
      Sarah

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  2. Hi Sarah,
    hab seit 3 Wochen auch das 'Vergnügen', den freestyle libre nutzen zu können. Habe jetzt den zweiten Sensor am Arm und bin sowas von begeistert ☺. Meine Werte auch mal schnell zwischendurch und ungesehen festzustellen ist tatsächlich ein Anstieg der Lebensqualität. Und ich bilde mir ein (und hoffe es), dass es auch eine Verbesserung des Langzeitwertes bringt... der nächste Arztbesuch wird es zeigen ��
    Danke für deinen tollen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Sven

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