Ansteckungsgefahr: Diabetiker sind die beste Medizin



Wir hatten unseren Ausflug nach Hamburg, genauer gesagt nach Buxtehude schon länger geplant. Bis dato hatten wir uns geweigerten an die Existenz des Mythos Buxtehude zu glauben. Aber es gibt den Ort, den viele vielleicht nur als eine Beschreibung für 'Irgendwo im Nirgendwo' kennen, tatsächlich.

Abgesehen davon, dass wir uns von der Existenz von Buxtehude überzeugen wollten hatten, wir aber auch noch ein anderes Ziel. Ein Blutsgeschwister-Treffen.

Die Blutsgeschwister, das sind 8 Diabetiker einschliesslich mir.
Auch wenn wir uns nicht ganz Cowboymässig durch einen Schnitt in die Hand und das Mischen unseres Bluts verbrüdert haben, so verbindet uns trotzdem etwas: Der Diabetes, und das dem Blutsbrüderritual ähnlich seiende: In den Finger pieksen.


Und verbrüdert zu sein, ist Balsam für die Seele.
Das Ganze begann schon während der 6 stündigen Fahrt in den Norden. Fängt einer an zu messen, lässt sich der Nächste anstecken und misst auch mal.
Nicht selten kommt es durch diese Ansteckung zu einer Runde Blutzuckerbingo oder einer kleinen Olympiade, wer denn den besten Wert hat.
Und so passiert es auch mal schnell, dass man statt viel zu wenig, plötzlich viel zu viel an einem Wochenende misst (wenn man das überhaupt kann). Besonders, wenn jemand dabei ist, der das FGM testen darf. 

Diabetes ist nicht ansteckend. Gott sei dank, das wäre ja auch noch schöner. Aber wenn man in einer Gruppe von Gleichgesinnten ist, ist plötzlich alles einfacher. Es wird gemessen, gespritzt, geärgert. Und selbst das Ärgern ist in einer Gruppe schöner; zu sehen, dass sich jeder einmal über das Zuckermonster ärgert.
An Wochenenden wie diesen packe ich auch immer viel entspannter meinen Koffer. Während ich an anderen Tagen nahezu durchdrehe, in der Angst ich könnte Katheter und Co vergessen haben, denke ich nur: Irgendjemand wird schon was dabei haben.
Und so ist es auch!

Also: Das nächste mal bei einem Motivationstief einfach nach einem Rezept für eine Gruppe Diabetiker beim Diadoc fragen. Das wirkt Wunder.
Zu wissen, du bist nicht alleine, und dass nicht nur dein Zuckermonster ein ziemliches Ego-Problem hat.
Sich anstecke lassen, mitzumachen.
Gemeinsam nach einem McDonalds-Halt an der Raststätte per FGM zu bobachten, dass selbst das schnellste Insulin zu langsam ist um gegen die Cheesburger und das Eis schnell genug anzukommen.
Genau aus diesen Gründen freue ich mich schon auf das nächste Treffen. Wenn wir so weiter machen, lernen wir neben unseren Begleitern auch gleich noch ganz Deutschland kennen. Denn wir sind überall vertreten.
Und zum Thema Buxtehude: Eigentlich ist es wirklich ein schönes Städtchen. 

Kommentare

  1. Heeeeee! Na klar gibt es Buxtehude. Bin ganz in der Nähe eboren. Stimme dir voll zu, sich mit anderen Diabetikern treffes ist Balsam für die Seele. Wir haben deshalb in Hamburg schon vor längerer Zeit nen Stamtisch gegründet und treffen uns 1x pro Monat und manchmal auch zwischendurch. Solltest du also mal wieder in Hamburg (oder Buxtehude) sein, dann sag Bescheid. Lieben Gruß (derzeit aus Wien), Ilka

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    1. Bei meinem Ausflug hab ich schon gemerkt,dass man Buxtehude nicht unterschätzen sollte! ;-) Ich werde an euch und den Stammtisch denken, falls ich nochmal in die Ecke komme. Aber Momentan pendel ich eher dauerhaft zwischem meiner Heimat Köln und Nord-Bayern hin und her... Trotzdem freue ich mich über jede Gelegenheit seinem Frust bei anderen Diabetikern die das verstehen, luft zu machen. Viel Spass dir im schönen Österreich. Lieben Gruss (derzeit aus Köln), Sarah

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