Samstag: Der Tag X


dbw


Heute befasst sich die Diabetes-Blog-Woche 2014 mit dem Tag, an dem alles begann und somit auch mit dem eigentlichhen Grundstein dieses Bloges. Leider ist die Diagnose des Diabetes nicht unbedingt ein Tag den man sich damals rot im Kalender markiert hat, damit man ihn auch bloss nicht vergisst und ihn jedes Jahr aufs neue feiern kann. Also musste ich erstmal was recherchieren. Und bei meinen Recherchen habe ich einen gut sortierten Ordner mit Allerlei heute als vielleicht sogar als lustig anzusehenden Unterlagen meiner ersten Tage als besonders Süsse gefunden.

Da ich erst 5 Jahre alt war, kann ich mich selber leider gar nicht mehr so gut an das Drama was an diesem Tag Zuhause war, erinnern. Meine Familie dafür umso mehr.
Es gibt einfach so Tage, die vergisst man nicht mehr. Nicht ein einziges Detail.

Mama hat mich im Büro angerufen. Sie sagte, dass 
der Kinderarzt grade festgestellt hat, dass unsere Tochter 
Diabetes hat. "Komm bitte sofort nach Hause, 
wir müssen mit ihr ins Krankenhaus".
Ich wusste zu dem Moment noch nicht, was das für alle 
wirklich bedeutet . Mir war aber klar, dass diese
Diagnose etwas verändern würde.
Ich begab mich direkt auf den Heimweg. Noch heute kann ich mich
sehr genau an viele Einzelheiten von damals erinnern.
Es war strahlend blauer Himmel und wunderschönes Wetter. 
Warum ich das heute noch so genau weiss, obwohl ich es damals 
sicher nicht registriert habe, ist mir unklar. 
-Papa von Sarah- 



Der erste Weg führte zum Kinderarzt, nachdem mein häufiges Toilette-Gehen und literweise Wasser trinken seinen Höhepunkt erreicht hatte. Mama hatte vorher, wie sie mir heute erzählt, schon das ein oder andere mal das Wort Diabetes im Hinterkopf gehabt, als ausgebildete Arzthelferin. Aber auch sie verband diese Erkrankung damals noch eher mit alten und eher kräfigeren Menschen und ausserdem war familiär nichts in dieser Hinsicht bekannt. Zudem passte die Beschreibung kräftig in meinem damals durch den Diabetes hervorgerufenen abgemagerten Zustand ausserdem gar nicht.

Es ist der zweite Januar 2001.Der Kinderarzt hatte uns direkt ins Krankenhaus geschickt.


Wie habe ich denn darauf reagiert, dass ich plötzlich Spritzen musste?
Mama: Trockener als Ich auf jedenfall! Du hast dich gar nicht beschwert...

An viel erinner ich mich auch nicht mehr. Nur, dass ich eine Infusion in meine kleine Hand bekam und ich daraufhin beantragt, dass doch bitte auch meine Stofftiere ("Puppy" und "Teddy") die ich natürlich dabei hatte, einen Verband bekommen sollten. So geschah es dann auch und die blöde Infusion war dadurch auch schon fast wieder vergessen.

In den Unterlagen habe ich leider nicht gefunden, mit welchem Wert ich eingeliefert wurde. Gefunden habe ich aber meine ersten Hba1c Werte und im Vergleich zu heute waren die jenseits von gut und Böse.
"Du hattest nur Schwankungen"


 Das sind zwar nicht die Werte des ersten Tages meines Diabetiker-Daseins, aber ich glaube auch zwei Tage früher waren sie nicht viel besser.

Ich erinner mich, dass dauern Leute jetzt reinkamen um mir in die Finger zu pieksen. Aber vorerst habe ich das alles mit mir machen lassen. Denn immerhin verschwand dieser doofe Durst und damit auch das alle 3-Minuten-Pinkeln-müssen endlich.


























Eine Weitere eher lustige Erinnerung die ich habe, war wie ich meinen Papa dabei beobachtete, wie er das Spritzen an einer Orange üben mussten. Mein Papa mit einer rieeeesen Nadelphobie...

Damals gabs noch die Einmalspritzen und das Insulin musste per Hand aufgezogen und gemischt werden. Auch dazu habe ich die idiotensicheren Anleitungen wieder gefunden.

Dann sind wir aber auch Zuhause ganz schnell auf Pens umgestiegen. Die gab es ja sogar in Kindereditionen in den coolen bunten Farben.













Der Schritt zur ersten Pumpe war dann aber auch schnell gemacht. Und auch die kamen bei meinen Recherchen wieder ans Licht.
Und das Foto möchte ich euch nicht vorenthalten.




















Nach gefühlten 800 Schulungen, 1000mal pieksen hatte dann auch ich wohl solangsam verstanden was das ganze bedeutete und fand es ziemlich unfair.
Aber das Krankenhaus wusste genau wie man traurige Kinder wieder glücklich macht und ich durfte mir nach den zwei Wochen Aufenthalt etwas aus einem extra Zimmer mit vielen Überraschungen aussuchen. Es war ein Brettspiel, dass wir aber leider heute nicht mehr haben, sonst hätte ich euch das gerne auch noch gezeigt.
Wieder Zuhause galt es natürlich nun noch alle Bekannten, Verwandten und anderen Menschen, mit denen ich zutun hatte über meinen neuen Begleiter aufzulären. Aber auch dafür wurde vorgesorgt.

Dieses Heft, dass wir in x-facher Ausführung mit auf den Weg bekamen war für den Kindergarten.
Übrigens erinner ich mich auch noch daran, dass diese mir ein Kissen gebastelt hatten, welches ein Mädchen aus meiner Gruppe stellvertretend für alle ins Krankenhaus gebracht hatten.

Und wenn  man etwas positives aus dem ganzen ziehen kann, dann, dass ich stolz wie Oscar war, dass ich im Krankenhaus endlich meinen heiss ersehnten Scout-Schulranzen in pink mit Pandabären bekommen habe. So wie es sein muss, bin ich tagelang mit diesem auf dem Rücken durch die Station gelaufen.
Krankenhäuser und vorallem Blutabnahmen meide ich heute so gut es geht trotzdem!

Heute ist der Diabetes alltag. Nicht dass er mich nicht manchmal immer noch wahnsinnig machen würde, oder dass ich die ganze Aktion meines Körpers nicht ab und zu auch immer noch unfair finden würde. Aber es ist so. Und es lässt sich so auch Seeeeehr gut leben. Ich erinner mich ja (vielleicht  glücklicherweise) auch kaum noch an die Zeit vorher. Und ausserdem: Über was würde ich jetzt schreiben, wenn der 2.01.2001 ein Tag wie jeder andere auch gewesen wäe ? ;-)

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