Freitag: Geschichten die das Leben schreibt


Mit Diabetes wird es nie langweilig. Das wird heute auch sicher die Diabetes-Blog-Woche mit dem Thema: Geschichten die das Leben schreibt, nochmal zeigen.
 Das was ich jetzt hier schreibe, ist sicher noch lange nicht alles von dem was mir in meiner 15 jährigen Zuckerlaufzeit passiert ist. Aber ein Anfang.

1.  Wie es halt so ist, wird es laut, wenn 30 pubertierende Schüler aufeinander treffen. So auch an diesem Tag, als folgendes geschah: Es ist fünf Minuten Pause. Alles rennt durch die Klasse, schreit rum. Plötzlich kommt eine Lehrerin über den Balkon um sich zu beschweren, dass wir viel zu laut sind.
Zur selben Zeit stand ich grade an meinem Tisch und wollte einen Bolus abgeben, als plötzlich die aufgegbrachte Lehrerin vor mir stand. Handys und Co waren in der Schule verboten. Okay, da hatte sich seltens jemand dran gehalten. Aber das was ich da grade in der Hand hatte, um meinen Bolus abzugeben, war definitiv kein Handy. Mit den Worten: "Keine Handys in der Schule" und einer selbsterklärenden Geste ihrer Hände, die andeuten sollten ihr die Pumpe auszuliefern, schaute sie mich also an. Ich wägte zwischenzeitklich ab, ob ich ihr das Ganze vernünftig mit einem Wink auf dem Schlauch erklären sollte, oder lieber meine Pumpe an mein Ohr halten sollte und den Anruf bei einem Pizzalieferservice imitieren sollte. Die Lehrerin sah aber nicht wirklich so aus als wäre ihr nach Scherzen zu Mute und so riesig war mein pubertierendes 13 jähriges Selbstbewusstsein dann auch nicht. Also entschied ich mich für Erstes.
Als sie verstand, was Sie da grade getan hatte, entschuldigte Sie sich sichtlich berührt. ...Dabei hatte ich noch gar nicht gefragt, was sie jetzt auf ihre Pizza wollte ;-)


2. Eine andere Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle, und an dessen Verlauf ich vermutlich  so im Nachhinein betrachtet auch nicht ganz unschuldig war. Denn ich habe bemerkt, dass ich zeitweise viel zu selbstverständllich mit Begriffen wie : Pen, Pumpe, Testen umgehe.
Wir waren alle gemeinsam grillen. Es kommmt wie es kommen musste. Einen Moment nicht aufgepasst, der Katheter sitzt eh schon zu lange und das Pflaster ist zugegeben auch nicht mehr das Wahre. Katheter rausgerissen. Bis dahin klingt das ganze für euch vermutlich nach langweiligem Diabetiker Alltag.
Ich muss also ins Haus gehen um den neuen Katheter zu holen und zu wechseln. Mit dem Worten: "Ich bin mal grade nen neuen Katheter setzen" und meiner Annahme, dass das mit dem Zucker sich mittlerweile eh rumgesprochen hat, bei denen die es noch nicht wussten, machte ich mich auf den Weg.
Dann fragte ein Bekannter mit einem riesen Fragezeichen im Gesicht: Höö? Kannst du nicht auf Toilette gehen?
Erst verstand ich nicht so direkt was er meinte. Das klärte sich dann aber als uns bewusst wurde, dass vielleicht nicht jeder Worte wie Katheter mit einem kleinen 5mm Nädelchen für die Insulinzufuhr in Verbindung bringt. Der Bekannte hatte das mit dem Katheter, der Insulinpumpe wohl noch nicht, entgegengesetzt meiner Annahme bis daher, mitbekommen und schnellerhand also das ganze so interpretiert, dass ich einen Katheter bräuchte, weil ich nicht auf Toilette gehen könnte.
Wir haben aber herzlich gelacht, und plötzlich war das Setzen des neuen Katheters auch nur noch halb so schlimm. Aber jetzt passe ich immer auf, mit was für Wörtern ich um mich schmeisse ;-)


3. Geschichte Nr. 3 ist noch gar nicht so lange her. Es ist eine Sache, die mir immer wieder passiert und auffällt, wenn ich mit anderen Diabetikern zusammen bin. Kennt ihr diese Situationen in der Bahn? Ein Handy klingelt und die ganze Bahn greift sich an die Hosentasche, weil jeder denkt, es sei sein Handy gewesen.
Das Selbe geht bei Diabetikern. Wenn eine Pumpe piepst hat, habe ich jedesmal einen halben Herzinfarkt bekommen, was denn jetzt los wäre. Vorallem weil es eben dann an Momenten war, an denen es wirklich keinen Sinn machte. Ich fand es auf jedenfall sehr lustig, dass die Situation in der Bahn 1:1 auf einen Raum mit Diabetikern übertragen werden kann!




1 Kommentar

  1. Dein Beitrag hat mich heute schmunzeln lassen, insbesondere deine Erfahrungen vom Schulhof, Danke dafuer.

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