Insulin am Limit


Setzt der Diabetes Grenzen? Diese Frage stellen sich vorallem vermutlich die Dia-Frischlinge in den ersten Wochen nach der Diagnose oft. Nach nun fast 15 Jahren Diabetes kann ich für mich ein Resüme ziehen und diese Frage klar mit Nein beantworten.



Okay, ich werde wohl nie Polizistin werden, aber zugegeben, vermutlich wäre nicht mal der Diabetes ausschlaggebend für das Scheitern dieses bei mir nie vorhandenen Traums gewesen, sondern eher fehlende sportliche Meisterleistungen und grundsätzliche chronische Unlust an Sprinten und Co.



Dafür R e i s e ich gerne. Und nachdem wir uns anfänglich grade mal so über die Landesgrenze nach Holland trauten, um im Fall der Fälle schnell handeln zu können bezüglich des Diabetes, haben wir uns über Mallorca bis hin zu ganzen Amerika Rundreisen immer weiter gesteigert.
Dank Ausflügen in die Wüste Nevadas lachen wir über damalig vermeintlich mutige Ferien im 200 km entfernen Holland heute nur noch.



Ganz mit der Einstellung, es gibt keine Probleme sondern nur Herausforderungen begaben wir uns also 2012 ins Land der unbegrenzten Möglickeiten. Ziel: Das mitten in der Wüste liegende Las Vegas. Die Stadt der unendlichen Hitze.



Mit diesem Post möchte ich allen Mut machen, sich nicht einschränken zu lassen und in ein paar Jahren oder vielleicht schon heute einmal das gleiche Resüme ziehen zu können wie ich es tue.

Zuallererst gab es schon auf dem 12 Stunden Flug einiges zu beachten.
Zugegeben, ich bin immer etwas paranoid was meine Pumpe und die Sicherheitskontrollen am Flughafen betrifft, womöglich auch, weil ich schon so oft gemerkt habe, wie viele Menschen wirklich keine Ahnung von Diabetes haben. Also warte ich mehr oder weniger jedes mal auf den Moment wo ich verhaftet werde, weil eben nicht jeder dieses Kästchen mit Schlauch richtig zuordnen kann.
Ich kann euch aber beruhigen. Bisher ist derartiges noch nicht passiert. Vielmehr wurde schon meine gesamte Familie von Handys bis hin zu den Labellos auseinander genommen, während ich gemütlich durch die Kontrollen ging.

Auch wenn wir es noch nie gebraucht haben, ist im Handgepäck immer eine mehrsprachige vom Arzt Unterschriebende Zusammenfassung von den Dingen die ich mitführen muss.

Als kleiner Tipp am Rande: Ich würde versuchen soviel Zubehör wie möglich im Handgepäck zu verstauen. Denn leider ist es keine Erfindung der Hollywoodfilmproduzenten, dass Gepäck manchmal verschwindet. Ausserdem kann es manchmal ganz schön wild hergehen im Gepäckraum des Fliegers, sowohl im Sinne von Schütteln und umherfliegen, als auch temperaturmässig.

Zurück zur Stadt die niemals schläft. Schön ist, dass man draussen gar nicht zu wenig anhaben kann bei 50 Grad, blöd nur dass man in den Hotels am besten in seiner Tasche eine Winterausrüstung bereit hält. Denn drinnen ist es vergleichsweise wieder so klimatisiert, dass einen schon mal die Gänsehaut packen kann. Aber zurück zum Insulin.
Man(n) / Frau muss sich zu helfen wissen.

Schon zu Beginn der Reise war mir klar, dass es mir vermutlich nicht gelingen würde das Insulin während einer drei wöchigen Rundreise dauerhaft gleichmässig zu kühlen. Ich glaube mit dem Gedanken hatte ich mich schon sehr früh anfreunden müssen. Denn knapp 50 Grad sind nicht nur für ein empfindliches Insulin herausfordernd.

Die Insulinvorräte wurden also immer in der kleinen Kühltasche im Hotel aufbewahrt. Aber einmal nicht mehr auf Kühlschranktemperatur, waren auch die Minibars keine Lösung mehr. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass Insulin bei mir nur dann merkbar nicht mehr richtig wirkt wenn es wirklich von jetzt auf gleich Temperaturschwankungne ausgesetzt ist. "Gewöhnt" es sich jedoch langsam daran dass es wärmer ist, so habe ich zumindest in diesem Urlaub keine Probleme gehabt. Damit meine ich natürlich nicht, dass es dann okay ist das Insulin der prallen Sonne auszusetzten, sondern vielmehr, dass ich das Insulin unbesorgt im klimatisierten Hotel lassem konnte, bzw im klimatisierten Auto transportieren konnte.

Als Kühlakkus dienten für längere Fahrten dann schnell leere Wasserflaschen gefüllt mit Eiswürfeln oder Colaflaschen, weil diese nicht zu kalt waren bzw schnell auf Raumtemperatur waren, damit es eben nicht zu den besagten schädlichen Schwankungen kommt.

Und mit dieser Methode habe ich es sogar durch den wärmsten, trockensten und totesten Punkt der Wüste Nevadas geschafft. Trotz bzw mit meinem Diabetes und ordentlich Insulin im petto, da es noch Anfang der Reise war, habe ich das Death Valley durchquert und sogar dort eine Nacht im Hotel verbracht.

Und nach dieser Erfahrung und dem Beweis den ich euch mit diesem Erfahrungsbericht liefer, dass ich das ganze überlebt habe, weiss ich wirklich nicht inwiefern ich eingeschränkt sein sollte.

Habt ihr auch schon aussergewöhnliches trotz bzw. mit eurem Diabetes erlebt ?

 photo bf065c9e-4092-4599-8877-a90ce763fa2e_zps7cd773cb.jpgÜbrigens war aber für den Fall der Fälle auch immer eine Ersatzpumpe an meiner Seite, man weiss ja nie...


Und auch eisige Temperaturen haben wir schon mit bravur gemeistert. Denn auf Skifahren möchte ich nun wirklich auch nichg verzichten... :)

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