Facettenreich




Man gewöhnt sich irgendwann wohl oder übel an nahezu alles.  Nach mittlerweile gut 14 Jahren Diabetes kann ich das getrost so sagen. Auch wenn der Zucker mittlerweile Routine ist, so muss Routine auch nicht immer gut sein, weil sie einen gegebenenfalls nachlässig werden lässt.
Dann gibt es aber immer noch diese Momente, die dich, ob du es willst oder nicht, immer wieder auf den Boden zurück holen.

Szenario 1: Der Psychothriller
Jeder Diabetiker kennt es. Eine Sekunde nicht aufgepasst, das Katheterflaster sitzt eh schon nicht mehr so gut. Zack: Raus ist er. Hängen geblieben an der Tür, Pumpe rutscht aus der Hand, Hose ratscht am Bein lang. Nervig, lässt sich im Alltag jedoch seltenst vermeiden.Ich spreche davon, dass der Katheter raus flutscht.
Zwangsweise muss der Vorbildsdiabetiker nun erklären wieso er gleich nach Hause muss: Ich habe mir meinen Katheter eben ausversehen raus gerissen.
Die darauf folgenden Blicke sind teilweise unbezahlbar. Auch wenn es meistens eigentlich nur die Angst und Unwissenheit ist, die sich auf diesem Wege kund tut.
Weit aufgerissene Augen, ängstlicher Blick und ein riesiges Fragezeichen, ganz nach dem Motto: Wie möchtest du denn nun beerdigt werden? Reaktionen und Mimiken, von denen der ein oder andere Hollywood-Schauspieler noch lernen könnte.
Es ist ja nicht böse gemeint, und genau aus diesem Grund erkläre ich auch gerne nochmal, dass meine Überlebenschancen relativ hoch sind.

Szenario 2: Die "Damit - lässt -  sich - ja - dann - Leben - Mimmose"
Grosse Erklärungen: Nein ich habe nicht zuviel Zucker gegessen und ja ich habe meinen Diabetes immernoch - vorraussichtlich auch noch was länger als die nächsten Wochen - das ist eine Insulinpumpe. 
Ich gebe sie gerne. Irgendeiner muss ja gut machen, was diverse Medien durch schlechte Berichte einmal kaputt gemacht haben. Ausserdem würde ich als nicht Betroffene vermutlich ähnlich doof us der Wäsche gucken.

Nun gut, nach besagten Erklärungen kam bisher noch annähernd jeder zum Schluss dass das alles ja nur halb so schlimm ist. Hat man sich einmal dran gewöhnt ist es das sicher auch.
Interessant und halb-so-schlimm ist das ganze dann, bis ich gerne einwerfe: Wenn du magst, kann ich dir auch mal einen Katheter setzten, dann siehst du dass das nicht weh tut...
Ha ha. Immerwieder interessant zu welchen Ausreden auch die unkreativesten Menschen plötzlich fähig sind, bzw wie schnell der Ein oder Andere doh tatsächlich laufen kann.
Ist zwar alles heute halbwegs erträglich durch neue Technik, aber selber haben möchte es dann doch keiner; bzw, ausprobieren. Vertstehe ich ja auch irgendwo...;)

Szenario 3: Meine Oma...
Ganz easy. Viel sagen werde ich dazu auch nicht. Denn jeder Betroffene kennt diesen Satz. Und diesmal sind es nicht die anderen deren Gesichtszüge entgleisen, sondern eher die eigenen.
Zu 80% habe ich nicht das gleiche wie deine Oma! Ende.
Und damit dann wieder zurück zu Szenario 2 und 1. Erklären...

Wie habt ihr und euer Diabetes schon andere aus der Fassung gebracht ? Es gibt sicher noch viele andere Momente, aber um die alle zusammen zu schreiben, bräuchte ich wohl a. mehr Zeit und b. eine ganze Menge Papier...
Aber ich bin sicher, dass das nicht die letzten Szenarien waren, von denen ich euch berichten werde.








Keine Kommentare