Genug ist genug!

23. November 2016 | / / | 3 Kommentare
In letzter Zeit läuft es nicht rund. Mal wieder. Und ehrlich gesagt habe ich so ziemlich die 
Schnauze voll. Während ich meistens, wenn es einmal nicht läuft, meine Wut auf den Diabetes runterschlucken kann und im großen und ganzen auch wenig nachtragend bin, ist mir gestern die Hutschnur geplatz. Aber einmal von Anfang...

Aktuell schreibe ich zeitgleich an einer Seminar- und meiner Bachelorarbeit. Vorlesungen habe ich wenig, aber ich bin ein Meister darin, mir selber enormen Stress zu machen. So kommt es auch dazu, dass ich teilweise stundenlang wach liege, oder aber gelähmt bin etwas Produktives zu machen, blockiert von Sorgen, viele davon nichtmal berechtigt. Auch wenn ich weiß, dass ich selber diesbezüglich, das größte Problem bin und mir nur selber im Weg stehe, so fällt es mir doch schwer es in den Griff zu bekommen.
Ein anderer Stressfaktor ist dazu noch der Diabetes. Gerade, wenn ich viel um die Ohren habe, kommt dieser schnell einmal zu kurz. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen des Stresses auf meinen Blutzucker... In die Praxis und meinen Diabetesalltag übersetzt, bedeutet das, dass all das auf Kosten meines Schlafes geht, den ich aktuell vielleicht noch dringender denn je gebrauchen könnte.

Genug ist genug!
Gestern war mein Geburtstag. Ehrlich gesagt war mir die perfekte Kurve auf dem Display meines FGMs wegen dieses Anlasses nicht ganz so wichtig wie sonst vielleicht. Bei einem wahnsinnig leckeren Burger, gefolgt von dem wohl leckersten New York Cheescake überhaupt, ist die Vorstellung von perfekten Blutzuckerwerten wohl auch eher utopisch.  
Als ich gestern, nach einem wirklich tollem Tag todmüde ins Bett gefallen bin, wusste ich noch nicht, dass der Diabetes mich heute Nacht noch auf dem falschen Fuß erwischen sollte.

Meine letzten Nächte waren alle eine mittelschwere Katastrophe. Zu den oben genannten Gründen und dem Wetter als Auslöser für wenig und schlechten Schlaf, gesellt sich noch ein Diabetes, der insbesondere Nachts macht was er möchte. Schwere Unterzuckerungen, bei denen ich mich noch stundenlang vor Übelkeit und Schüttelfrost im Bett wälze, einem Blutzucker der plötzlich ohne jegliche Vorwarnung ins Unendliche scheint ansteigen zu wollen und sämtliche Versuche dem mit Insulin entgegen zu wirken ignoriert...


Dass ich gestern Nacht emotional etwas angeschlagen war, lag zum einen an besagten Gründen, zum anderen wohl daran, dass ich Geburtstage liebe und in der Nacht auf meinen Geburtstag nach einer kurzen und eigentlich harmlosen Unterzuckerung erst einmal vor Aufregung einige Minuten wach lag. (Ja,... in der Hinsicht bin ich wirklich ein kleines Kind 😂) 

Bevor ich an meinem Geburtstag dann ins Bett fiel, bat ich meinen Freund noch zu messen, sollte er länger wach sein als ich. Gesagt, getan. Gerade in den Tiefschlaf gefallen weckte er mich dann auch und sagte mir, ich müsste noch etwas essen. Auf dem Display meines FGMs war 80mg/dl zu lesen, mit Trendpfeil fallend.  Das alleine war wirklich schon ätzend genug, aber nichts, was ich nicht nach mittlerweile fast 16 Jahren Diabeteskarriere gewohnt war. 
Nachdem ich also schnell ein paar Traubenzucker (Pfui) runterwürgte, entschied ich mich wach zu bleiben, weil ich anlässlich meines Geburtstages einen Cocktail getrunken hatte und auch generell Nachts gerne einmal meine Wecker überhörte.
Selten fiel mir das Wachbleiben so schwer wie in diesem Moment. Ich hatte das Gefühl der Schlafmangel der gesamten letzten Wochen lastete plötzlich auf mir und versuchte mit aller Kraft, dass ich meine Augen schloss. Als ich mich dann mit Mühe und Not 20 Minuten wach gehalten hatte (wir hatten übrigens mittlerweile kurz vor 2) scannte ich nochmal, in fester Überzeugung, dass der Wert jetzt und nach einer Menge Traubenzucker, wohl hochgehen würde. Pustekuchen!

Und dann brach es auch mir raus. Eigentlich bin ich insbesondere, was den Diabetes und seine Folgen im Alltag betrifft wirklich hart im nehmen, aber heute, an meinem Geburtstag, hatte er mich wohl auf dem falschen Fuß erwischt. Ich hasste Traubenzucker und ich hasste, dass wir nichts in der Küche hatte, was ich sonst hätte gegen meinen knappen Wert essen könne. Aber am meisten hasste ich, dass es wieder einmal der Diabetes war, der mich nicht schlafen ließ. Und das über eine gefühlte Ewigkeit. Nachdem er mich zuvor schon so viele Stunden Schlaf gekostet hatte, konnte ich kräftemäßig einfach nicht mehr und brach mitten in der Nacht in Tränen aus. So sehr hasste ich ihn gerade, den Diabetes! 

Heute, nicht wirklich ausgeschlafen, aber aufgestanden, sieht die Welt schon wieder etwas anders aus. Sonderlich nachtragend bin ich wie bereits oben gesagt nicht, aber an einem Mittagsschlaf, der bis in den frühen Abend andauerte,  kam ich nicht vorbei! Viel für die Uni geschafft, habe ich also auch nicht. Na toll. Ein Teufelskreis!

Wir sind stark und geben sehr viel unserer Kraft und Energie in die Therapie unseres Diabetes. Wenn auch selten, gelange auch ich manchmal an meine Grenzen - und das auch noch nach 16 Jahren Diabetes. Was anderes als stark sein und weiter kämpfen bleibt allerdings nicht. Und das werde ich! Auch Ereignisse wie diese, gehören zum Leben mit Diabetes - auch wenn das Geschriebene in meinen Augen etwas sehr persönliches und emotionales ist, gehört es aber genau deswegen irgendwie hier auf den Blog...Oder? 
  

Die Sache mit den Setzhilfen...

23. Oktober 2016 | / / / | 3 Kommentare

Man lädt sie, Positioniert sich richtig, setzt die Hand an den Auslöser und wenn man sich sicher ist, schießt man ab - Peng.

Nein, ich spreche nicht davon, wie man eine Waffe lädt, zielt und abschiesst. Auch wenn es mir manchmal so vorkommt, wenn ich eine Setzhilfe nutze. Setzhilfen gehören in der Diabetes-Therapie heute quasie zur Grundausstattung. 

...und ich habe Angst vor Setzhilfen!
Eine Angst die eine Zeit lang soweit ging, dass ich bis zu einer Stunde lang in der Küche saß und trotz gutem Zureden von Seiten meines Papas einfach nicht abdrücken konnte.
Heute läuft es deutlich besser. Das liegt zum einen daran, dass wir in der Küche keine Sitzgelegenheit mehr haben, auf der ich es mir eine Stunde lang bequem machen könnte, zum anderen daran, dass ich und der Diabetes schon eine ganze Weile miteinander auskommen müssen. Trotzdem wäre es gelogen zu sagen, dass mir das Benutzen einer Setzhilfe heute problemlos gelingen würde. Aber einmal von vorne...


Wieso die Abneigung gegen Setzhilfen?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, wann das Spektakel um die Setzhilfe begonnen hat. Wenn ich es mir recht überlege, hatte ich in der Anfangszeit ohne Pumpe sogar einmal Setzhilfen für den Pen, die ich häufig, gerne und vorallem (aus heutiger Sicht unvorstellbar) freiwillig benutzt habe.
Danach habe ich jahrelang Stahlkatheter benutzt, die ohne eine solche Setzhilfe ausgekommen sind. Ich würde vermuten, dass sich die Angst vor den Setzhilfen, die ja eigentlich helfen sollen, in dieser Zeit entwickelt hat. Denn ohne Stechhilfe konnte ich mir aussuchen, wann und vorallem wo ich meinen Katheter setze.
Liebendgerne habe ich also am ganzen Bauch Hautfalten genommen und vorsichtig mit der Nadelspitze getestet, ob diese Stelle weh tut, oder als Katheterstelle für die nächsten Tage in Frage kommt. Ist dieser Test negativ ausgefallen, habe ich ihn an einer neuen Hautfalte wiederholt. Hat sich die Stelle als geeignet erwiesen, wurde der Katheter gesetzt. Eigentlich ganz easy, oder?
Genau das ist aber auch der entscheidende Unterschied zur Stechhlfe. Denn die Stechhilfe nimmt mir genau diese Entscheidung und Wahlmöglichkeit ab. Wenn ich abdrücke wird der Katheter gesetzt. Unabhängig davon ob es wehtun könnte oder eben nicht. Ätzend!


Setzhilfen haben mich mutig gemacht
Naja, zumindest theoretisch sehr ätzend. Denn in der Praxis hat sich die Setzhilfe sehr bewehrt. Auch wenn es mir sehr, sehr schwer fällt das jetzt zuzugeben. Die Setzhilfe hat mich nicht nur mutiger werden lassen, sondern zugleich auch dazu beigetragen, dass der Katheter nun endlich auch einmal neue Körperpartien bewohnen darf.
Heute kommt kaum ein Diabetiker noch um die Setzhilfe herum.
Für mich kam irgendwann der Zeitpunkt an dem es mit meinen geliebten Stahlkathetern einfach nicht mehr klappte. Alle Katheter, die sich als Alternative anboten, waren jedoch an eine Setzhilfe gebunden. Auch das Setzen von CGMs und FGMs ist heute ohne Setzhilfen undenkbar. Aber deswegen auf den Luxus verzichten? Nur wegen ein bisschen Angst? Nein!


Wieso es auch heute manchmal immernoch nicht klappt...
Nachdem es die ersten Male also wirklich Stunden gebraucht hat, bis ich mich endlich dazu druchringen konnte den Knopf (zum Abschuss ;-)) zu drücken, geht das Ganze heute deutlich schneller von dannen.
Das liegt vor allem an den guten Erfahrungen, die ich die letzten Jahre machen konnte. Denn entgegen aller Vermutungen und Sorgen tut das Setzen mit Setzhilfe eigentlich nie weh. Und das schreibe ich jetzt nicht, um da draußen irgendjemandem die Angst zu nehmen (Okay, vielleicht auch ein bisschen... ;-)). Aber: Es ist wirklich so.
Auch, wenn ich heute oftmals noch da sitze und es einige Zeit braucht bis der Befehl die Knöpfe zu drücken meine Finger endgültig erreicht, hat mich mein Mut und insbesondere die positiven Erfahrung mit dem FGM dazu gebracht, dass der Katheter nun auch mal abseits vom Bauch zu finden ist. Denn es tut nicht weh. Und auch wenn es einmal pieksen sollte, ist das noch lange nicht so wild, wie ich es mir vorher in meinen wilden Horrorszenarien ausgemalt habe.
Manchmal allerdings, klappt es trotz dieser überwiegend positiven Erfahrungen auch heute noch nicht. Anfangs beispielsweise musste mein Freund den Auslöser der Setzhilfe des FGMs drücken. Am Arm? Alleine? Das habe ich mich wirklich nicht getraut. Heute hingegen ist das keine große Sache mehr für mich - einfach, weil es noch keinmal weh getan hat! Im vergangenen Urlaub habe ich mich sogar erstmalig getraut meinen Katheter am Oberarm zu setzen. Mit Setzhilfe und ohne Hilfe meines Freundes! 


Allerdings gibt es gute und schlechte Tage. Und auch heute geht meine Angst an schlechten Tagen noch soweit, dass ich die Setzhilfe schon positioniert habe und mir einbilde, den Auslöser so feste gedrückt zu haben, dass der "Abschuss" eigentlich gleich kommen müsste... aber nichts passiert.
Nicht selten denke ich mir dann, dass der Katheter/Setzhilfe kaputt sein muss. Dann sammel ich mich und reflektiere, dass es wohl doch wieder einmal nur meine Angst ist, die mich blockiert den Auslöser so feste zu drücken, wie es wirklich nötig ist um den Katheter zu setzen. Bisher war es immer so. Kaputt war der Katheter trotz unzähliger Vermutungen noch nie...

Die Hauptsache ist, dass ich mutiger werde. Auch nach über 15 Jahren Diabetes bin ich noch nicht mit allen Wassern gewaschen. Das merke ich immer wieder. Aber ich arbeite daran. Und das ist das Wichtigste. Was für Andere vielleicht eine Kleinigkeit ist, ist für mich ein Grund sehr stolz zu sein. Und das bin ich auch!

Manchmal verstecke ich meinen Blutzucker - vor mir!

13. Oktober 2016 | | 3 Kommentare


Ein wunderschöner Sommertag, das Meer rauscht und der Sand kitzelt an den Füßen. Die Haut prickelt, während die Sonne die Wassertropfen vom letzen schwimmen langsam verdampfen lässt. Eigentlich könnte diesen schönen Tag nichts, aber auch wirklich gar nichts vermiesen... Wäre da nicht: Achja. Der Diabetes. Jetzt wo ich so dran denke. Ich habe schon lange nicht mehr gemessen. Und, oh Schreck. Vielleicht hätte ich für das Eis vorhin auch lieber mal etwas gespritzt. Immerhin bin ich ja auch seit Stunden schon ohne Basal... Hmpf. Das würde auch meinen starken Durst erklären, jetzt wo ich so drüber nachdenke...
Da haben wir nun die Misere. Ich würde lügen, wenn ich nun sage, dass mir das Messen in so einer Situation leicht fallen würde. Auch nach mittlerweile über 15 Jahren Diabetes, fälllt es mir in Momenten wie diesen immernoch (oder immer wieder?) wahnsinnig schwer verantwortungsvoll und "Diabetes-Lehrbuch-konform" zu handeln. Denn sind wir ehrlich. Ich kann den hohen Wert spüren. Der Durst, der vergessene Bolus und auch, dass ich schon wieder auf Klo muss, all das alleine spricht doch schon für sich.
Das Letzte, und wirklich das aller Letzte, das ich jetzt brauche ist ein Messgerät, dass mir nahezu provokant mit seinen leuchtenden Farben meinen vermutlich eh zu hohen Blutzucker förmlich ins Gesicht schreit.
Ein Teufelskreis, den ich vor geraumer Zeit bereits einmal versucht habe grafisch für euch aufzubereiten.


Aber wir müssen auch ehrlich sein und uns eingestehen, dass das so eben auch nicht funktioniert. Es ist wie mit allem im Leben: man muss sich manchmal eben auch Dingen stellen, die nicht so schön und angenehm sind. Das Leben ist eben kein Ponyhof.

Manchmal würde ich mir wünschen, öfter so stark zu sein und mich hohen Werten auch ohne die Hilfe meines geliebten FGMs so zu stellen, wie ich es hier gerade predige. Sobald ich nämlich den kleinen Knopf am Arm habe und der nächste Wert nur einen Scan entfernt ist, läuft das mit dem Messen plötzlich. Teufelskreis ade!

Über die Jahre hinweg habe ich einen Tick entwickelt, um die Frustration, die hohe Werte auf Messgerätbildschirmen für mich bedeuten, zu umgehen. Überhaupt erst drauf geachtet habe ich, als ich in den letzten Monaten des häufigeren verdutzt angeschaut und angesprochen wurde, als ich eben tat, was ich tue, wenn ich bezüglich meines Blutzuckers kein gutes Gefühl habe...


Während das Messgerät nämlich noch vor sich hin rödelt, verdecke ich das Display mit meiner Hand. Dann ziehe ich den Wert langsam von hinten nach vorne auf.
Am endscheidensten ist nämlich (zumindest für mich) die erste Ziffer. Und um mein Frustrationslevel auch wirklich bis auf den letzten Moment noch möglichst niedrig zu halten, bzw. mich selber noch im Glauben zu lassen, dass der Wert vielleicht doch gar nicht sooo schlecht ist, decke ich diese Zahl erst ganz zum Schluss auf. (Vielleicht ist ja doch noch ne 1 vorne?! ;)). 
Und was soll ich sagen, außer dass am Ende trotzdem die Wahrheit ans Licht kommt. Still und heimlich hoffe ich übrigens immer noch nicht die einzige Bekloppte mit diesem Tick bei vermeintlich hohen Blutzuckerwerten zu sein. Falls sich da draußen also jemand angesprochen fühlt: Melde dich, du bist nicht alleine ;-)

Wir müssen lernen, dass jeder Blutzucker eine neue Chance ist, es beim nächsten mal besser zu machen, statt uns von einem schlechten Wert so runterziehen zu lassen, dass auch die nächsten womöglich darunter leiden und wir zurück in einen Teufelskreis fallen.
Im Moment und solange ich das Freestyle-Libre trage klappt das bei mir übrigens auch sehr, sehr gut. Aber mein Ziel ist es dieses Verhalten auch langfristig und vorallem auch Messgerät-unabhängig abzulegen. Dafür höre ich nicht auf an mir und mit dem Diabetes zu arbeiten. Auch wenn das manchmal alles andere als leicht ist.


 

Diabetes-Raritäten: Was wir von einem Igel mit Urinstreifen und Diätplan lernen können

4. Oktober 2016 | | Kommentieren
Zur Zeit meiner Diagnose waren Online-Communities, Facebookgruppen etc. zwar schon längst nicht mehr undenkbar, erfreuten sich aber trotzdem noch nicht allzu großer Popularität. Selbsthilfe und Austausch fanden zumindest in unseren Anfangszeiten eher regional und sehr viel über das damals behandelnde Krankenhaus statt.
Während es heute nur wenige Klicks braucht um Geschichten von anderen Betroffenen zu lesen, halfen wir uns vor etwa 15 Jahren beispielsweise noch mit Kasetten, wie den oberen aus. Auch Bücher verschiedener Pharmaunternehmen für Kinder standen teilweise noch Jahre später in meinem Bücherregal.
Auch wenn insbesondere die Diabetes-Anfangszeit sicherlich keine schöne Zeit war, so brachte ich es bis heute noch nicht übers Herz mich von diesen zwei Diabetesraritäten zu trennen. Und den Namen Raritäten haben diese Kassetten spätestens verdient, seit ich sie auf dem EASD vor wenigen Wochen an dem Stand eines deutschen Diabetesmuseums wiederfand. So kam es auch, dass ich beim Kofferpacken vor wenigen Tagen doch noch einmal auf die Suche gehen musste... und fündig wurde!

Wie alt die Kassetten wirklich sind, konnte ich leider nicht rausfinden. Es müssen aber mind. 12 Jahre sein. Damals wurden sie von der Firma Hoechst aus Frankfurt als Werbung für den sogenannten Optipen produziert. Soweit ich richtig informiert bin ist die Hoechst AG nach einigen Fusionen etc. heute Sanofi.
Aber auch wenn die Geschichten inhaltlich nun schon wirklich veraltet sind, wie ihr gleich bei der Vorstellung der Hörspiele, vermutlich selber noch merken werdet, finde ich sie wirklich immernoch süß und vorallem treffend. Intensivierte Insulintherapie ist für den Igel zwar noch ein Fremdwort; und trotzdem macht er emotional genau die Phasen durch, die wohl auch heute noch jeder Diabetiker einmal erlebt.

Bevor ich mich dann mit Tee und Decke auf die Couch kuschelte um nach Jahren mal wieder der Geschichte des Igels zu lauschen, galt es erstmal die benötigte Technik zu entstauben und nutzbar zu machen. Siehe da: Mein alter Walkman tut es noch!

Teil 1: Kasperl und der zuckerkranke Igel
Was bin ich froh, dass die Bezeichnung "Zuckerkrank" doch immer weiter aus der Mode gerät. Heutzutage wird stattdessen lieber verallgemeinert von Diabetes gesprochen - auch nicht besser, aber das soll ein anderes Thema sein. Die Bezeichnung stört mich heute auch weitaus mehr als damals. Zurück zum eigentlichen Thema!

Die Geschichte beginnt damit, dass die Freunde des Igels gerne spielen möchten. Aber als die den Igel sehen, so völlig abgemagert und müde und er ihnen dann auch noch erzählt, dass es ihm seitdem er die Röteln hatte so schlecht ginge, vermuten die Freunde der Igel habe wohl die "Schlaf-Trink-Magersucht-Röteln" gehabt. Schnell bringt der Kasperl ihn ins sogenannte Hexanatorium zur Hexe, welche schnell feststellt, dass der Igel wohl zuckerkrank ist.
Dabei singt sie (aus heutiger Sicht klingt das vor dem Hintergrund der rauen Stimme der Hexe zugegeben ziemlich gruselig):

"Ich untersuche nun das Blut, dem Igel gehts nicht gut. Nun haben wir das Resultat. Ich weiss was unser Igel hat. Der Igel wird genau untersucht. Was mag ihm bloß fehlen? Sag laut Ahhhh und streck die Zunge raus, ich glaub ich kann was sehen..."
Die Untersuchungen bestätigen die Hexe und sie teilt dem Igel und Kasperl mit, dass der Igel Typ 1 Diabetiker sei. Der Igel ist verwirrt und sagt, er will kein "Direletiker" sein und "Irelin" spritzen müssen.
Da sich der Kasperl das alles nicht wirklich vorstellen kann, setzen er und die Hexe sich kurzerhand in ein U-boot, dass durch einen magischen Verkleinerungsknopf so schrumpft, dass der Igel es schlucken kann und die zwei so den Igel-Körper erforschen können. Zweifelsohne macht das den Kasperl wohl zum coolsten Typ F'ler überhaupt.
Als sie an einer Insel mit lauter Blumen vorbei kommen, die die Köpfe hängen lassen, erklärt die Hexe, dass es sich um die Langerhanschen Inseln handelt, welche für die Insulinproduktion zuständig sind. Der Kasperl will wissen, ob man die Blumen nicht einfach ein bisschen giessen könnte, damit sie wieder wachsen und neues Insulin produzieren.

Die Katze (aka Assistentin der Hexe) stellt dem Igel einen Diätplan zusammen, in dem steht wann der Igel was essen darf. Gemeinsam singen sie das Diabetikerlied:
"Igel du bist Zuckerkrank, doch das macht gar nichts Gott sei Dank. Ab und zu ein kleiner Stick, das stört dich doch wirklich nicht. Schalalie und Schalala der Igel ist Diabetiket. Doch ist er dann gut eingestellt gehört ihm die gaaaaanze Welt."
Solange sich die Urinstreifen, welche die Hexe dem Igel mitgibt nicht verändern, wäre alles in Ordnung. Sollte aber doch einmal die Farbe wechseln, seie die Hexe da um ihm zu helfen.

Teil 2: Neues vom Kasperl und dem zuckerkranken Igel 
Nachdem der Igel am Ende des ersten Teils noch seine erste Unterzuckerung erlebt, steckt er nun in einem anderen, emotionalen Tief, in das wohl die meisten Typ 1er irgendwann einmal fallen - wenn auch heute aus anderen Gründen als der Igel damals. Diät? Darüber lachen wir alle ja Gott sei Dank mittlerweile.
Der Igel möchte in Teil 2 einfach nur sein wie seine Freunde. Er möchte essen was er will und das blöde spritzen nervt ihn auch. An seinem Geburtstag entscheidet er sich also entgegen der besorgten Ratschläge seiner Freunde zu essen was er will und soviel er will. Als er dann irgendwann umkippt, rufen die Freunde den Raben Rasputin und seine Flugrettung an um den Igel ins Hexanatorium zu bringen, wo die Hexe die erste Hyper des Igels diagnostiziert. 999mg/dl. Ohweh!
Es braucht seine Zeit bis der Igel wieder bei Bewusstsein ist. Dann schüttet er der Hexe sein Herz aus und erzählt weinend, dass er einfach nur wie die anderen sein will und nicht auf Diäten etc. achten möchte. Die Hexe schickt ihn darauf hin zu Prof. Delphin welcher in der Südsee zuhause ist und die intensivierte Insulintherapie erfunden hat, die es dem Igel ermöglichen soll zu essen wann und was er will. Direkt machen sich Kasperl und der Igel auf dem weg zu dem Professor, der ihm Bolusinsulin, Basalinsulin und Broteinheiten erklärt.
"Basalinsulin, mein Igel hält konstant den Zuckerspiegel, dann bist du bestens eingestellt was uns allen gut gefällt. Spritze es dir zweimal täglich.
Eines darfst du nie vergessen, deinen Zuckerwert zu messen"
Auch wenn der Igel nun zu jeden Malzeiten spritzen muss ist er wahnsinnig erleichter das selbe Essen zu können, wie seine Freunde auch.

Was wir vom Igel lernen können
Was die Diabetestherapie betrifft, sind die Methoden der Behandlung mittlerweile mehr als überholt Aber trotzdem erzählen die Geschichten vom Kasperl und dem Zuckerkranken Igel der Firma Hoechst auch heute noch relevante Aspekte aus dem Leben mit Typ 1 Diabetes. Nicht immer fällt es leicht zu akzeptieren, dass man vielleicht auch mal auf etwas verzichten muss, das andere in dem Moment vielleicht dürfen. Es gibt immer Momente, in denen man keinen Nerv mehr auf den sch*** Diabetes hat. Aber gerade wenn man sich anguckt, was der kleine Igel anfangs noch mit seiner Diät mitmachen musste, können wir uns doch alles in allem ziemlich glücklich schätzen. mit dem Weg, auf dem wir uns aktuell befinden. Oder denkt ihr der Igel könnte etwas mit dem Begrif CGM, Pumpe oder sogar Closed-Loop anfangen? ;-)

Und ihr? Kennt ihr die Kassetten auch noch? Habt ihr sie vielleicht auch noch Zuhause rumliegen? Ich bin gespannt!

Neuheiten vom Diabeteskongress in München


EASD - diese Abkürzung steht für European Association for the Study of Diabetes und ist ein(e) Kongress/Messe welcher dieses Jahr zum 52. mal stattfand. Nachdem die Veranstaltung letztes Jahr in Stockholm war, sollte sich dieses Jahr alles in den Messehallen Münchens abspielen und ich durfte dabei sein. Eingeladen hatte sowohl die Firma Roche, zu einem tollen, extra für uns organisiertem Bloggerevent, sowie Ascensia Diabetes Care zu einer Pressekonferenz anlässig des Launch eines neuen Messgerätes, welches ich euch heute im Laufe dieses Posts noch genauer vorstellen werde.

Das neue Accu-Check Insight CGM 
Nachdem ich zugegeben etwas außer Atem und auch mehr oder weniger auf den letzten Drücker das Hotel Nahe des Münchener Hauptbahnhofes erreicht hatte, ging es direkt los zum sogenannten #DiabetesMeetUp der Firma Roche.


Dort erwartete uns auch gleich die erste Überraschung. Denn nachdem Roche uns Anfang dieses Jahres bereits das Eversense CGM System vorgestellt hatte, welches unter ihrem Namen vertrieben wird, bringt Accu-Check nun das Accu-Check Insight CGM auf den Markt. Okay, bis dahin wird es wohl noch etwas dauern. Aber sie arbeiten daran und vielleicht klappt das mit der Markteinführung sogar noch Ende 2016. Insbesondere vor dem Hintergrund des GBA Urteils eine coole Nachricht, oder?
Das Insight CGM ist leider derzeit noch nicht mit der Pumpe koppelbar, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Dafür werden die Werte aber an eine App auf dem Smartphone übermittelt. Die App wird es sowohl für Iphones geben, als auch für Android Geräte. Das CGM kann 7 Tage getragen werden und liegt von den Kosten her etwa da, wo vergleichbare Geräte derzeit auch liegen.
Wie das Ganze aussieht, könnt ihr hier an den folgenden Fotos einmal sehen. Das abgerundete Design finde ich persönlich sehr ansprechend. Auch die Smartphone App macht einen übersichtlichen Eindruck.
Einen Minuspunkt gibt es aber hinsichtlich der Setzhilfe von mir. Das was auf den Bildern vielleicht wie ein Rasierer für den ein oder anderen aussieht, ist nämlich die Setzhilfe für das CGM. Diese kann leider auch nicht wiederverwendet werden, sodass eine Menge Müll entsteht, was in der heutigen Zeit meines Erachtens nicht mehr sein kann und darf. Das finde ich übringens aber auch bei dem Freestylelibre und meinen Mio-Kathetern sehr unhandlich. Trotzdem nutze ich sie. Mein Appell an die entsprechenden Firmen ist es trotzdem was das betrifft verantwortungsbewusster zu denken und soweit es geht unnötigen Müll zu reduzieren.




Neben dem neuen CGM sorgte aber noch jemand für eine Menge Aufregung und "Ooohhs". Der wahre Star des Tages war nämlich dieser Teddy. Wer ihn noch nicht auf meiner Facebookseite
gesehen hat, kann diesen Prachtkerl nun einmal hier auf dem Foto bestaunen!
Hergestellt wird dieser Pumpe-tragende Teddy mit Spritzmöglichkeiten von Sophie von Diabetoo aus Frankreich. Eine ganz, ganz tolle Idee! Ich kann mir so gut vorstellen, wie hilfreich er bei kleinen Kindern sein kann und wieviel Mut er diesen geben kann! Und wir sind doch wirklich Zucker, so komplett im Partnerlook, nicht? 








Blood-Sugar-Lounge: Gesünder unter 7 
Das Programm während des Aufenthalts in München war eng getaktet. Irgendwie haben wir es aber trotzdem Mittwoch morgen noch zum Odeonsplatz geschafft, wo einige Stände zum Thema Diabetes aufgebaut waren. Erwartet wurden wir dort von der Blood-Sugar-Lounge, die dort ihr rotes Sofa aufgeschlagen hatte. Nach kurzem Trikot-Tausch wurde die Kampagne "Gesünder unter 7" vorgestellt, welche auf den HBA1c Wert anspielen soll. 
Vom roten Sofa ging es danach dann ganz flott zurück in Richtung Messegelände zur Pressekonferenz der Firma Ascensia, welche anlässlig des Launches ihres neuen Messgerätes Contour Next One veranstaltet wurde.




Ascensia bringt ein neues Messgerät - plus App!
Das neue Contour Messgerät wird in absehbarer Zeit in Deutschland auf den Markt kommen. In der Schweiz wird es bereits von dem ein oder anderen Diabetiker genutzt. Das Messgerät ist von der Größe her ähnlich wie die bisherigen Contour-Geräte. Im Gegenteil zu diesen arbeitet das Next One allerdings leider nicht mit den Medtronic-Pumpen zusammen. Dafür allerdings mit einer App, die ich euch gleich noch etwas genauer vorstellen werde. 
Das Messgerät  unterscheidet sich vorallem durch die eingebaute Funktion, dass zusätzlich zum Blutzuckerwert noch ein Lämpchen im Bereich des Messgeräts entweder in Rot, Gelb oder Grün - abhängig vom entsprechenden Wert aufleuchtet. Das soll signalisieren, dass der Wert normal (grün), zu hoch (orange) oder zu tief (rot) ist. Für Kinder sicherlich eine tolle Idee, ich für meine Fälle muss mir unabhängig von Farben die leuchten die genaue Zahl auf meinem Display angucken um zu reagieren ;-)
Während ich beim Messgerät also ein bisschen die große technische Neuheit vermisse und insbesondere auch die Funktion der Kopplung mit der Pumpe, überzeugt mich die zum Messgerät gehörende App umso mehr. 
Die Werte werden automatisch per Bluetooth vom Messgerät an ein Smartphone oder Tablet übermittelt. Das Design der App überzeugt voll und ganz. Die Werte können in unterschiedlichen Weisen angezeigt werden und zusätzlich können Informationen, wie bspw. Insulin und Essen eingegeben werden. Das Essen kann sogar fotografiert werden und in die App eingetragen. Die App bietet außerdem die Funktion eine Notrufnummer zu hinterlegen, welche bei einem zu niedrigen oder zu hohem Wert angerufen wird.  

 

In meinen 3 Tagen in München habe ich noch viel mehr erlebt. Aber ich möchte euch nicht schon wieder damit langweilen, wie toll der Austausch mit anderen Diabetikern ist.  Das habe ich schon zu genüge geprädigt. Die Gespräche vor Ort und auch den #docday der im Rahmen des EASD stattfand und allen Diabetes-Aktivisten einen Platz zum Austausch gegeben hat, möchte ich keinesfalls missen. Ein besonderer Dank gilt auch Kelly Close, eine sehr beeindruckenden Frau, die uns spontan zu der Veranstaltung von Diatribe eingeladen hat. 

Ihr habt Fragen, wollt doch noch mehr wissen?
Dann her damit!