Über Traubenzuckerflauten am Notausgang und noch viel mehr - #DXStockholm











"Junge Dame, was ist denn das für ein Gerät?" Das erste mal in 16 Jahren Diabetes und sicher nicht wenigen Flügen, wurde ich das an den Sicherheitskontrollen des Flughafens gefragt. Nachdem ich zuvor von einer Dame schon mehr als unsaft an der Stelle meines Katheters abgetastet wurde und diese sich scheinbar nur durch meinen bissigen Kommenar und bösen Blick bremsen ließ, hatte ich auf so doofe Fragen ja so gar keine Lust mehr. Nur gut, dass sich der Herr, der sich meinen Koffer heraus gefischt hatte mit meiner Erklärung "Insulinpumpe" ohne große Umschweife zufrieden gab. Ich bin mir ja sicher, dass das Pink ihn verwirrt hat. Noch heute rechne ich ja jedes mal damit, dass meine Pumpe eines Tages dem großen Drogentest unterzogen wird, wie ich es bereits von anderen Diabetikern gehört habe. Vielleicht sehe ich einfach zu nett aus...

Achso, wer es noch nicht ahnt: Es geht nach Stockholm zum #DXStockholm, einem Blogger Event zu welchem Abbott eingeladen hatte. Es handelt sich um die Fortsetzung des #DXBerlin, das letztes Jahr fast zeitgleich stattgefunden hatte. Hier hatte ich auch schon einmal darüber berichtet.

Annika von 'Die-Welt-mit-Diabetes' und ich hatten eigentlich schon im Vorhinein verabredet, dass wir uns am Flughafen kurz vor Abflug treffen. Dass das endgültige Treffen dann wortwörtlich zwischen Tür und Angel auf der Toilette stattfand, hatte ich einem Blutzucker von 300mg/dl zu verdanken. Dabei fanden wir im Nachhinein sogar noch heraus, dass wir die ganze Zeit schon quasi nebeneinander saßen.


Worauf ich allerdings eingentlich hinaus will, ist die Situation im Flugzeug. Wer kennt es nicht? Bei einem hohen Wert lässt in aller Regel der Durst nicht lange auf sich warten. Und wer nicht bereit ist im Sicherheitsbereich des Flughafens mehrere Euros für ein Wasser auszugeben, wartet wie ich sehsüchtig, bis Getränke in luftiger Höhe serviert werden.
Fliegen mit hohem Wert ist nicht nur anstrengend, weil man entweder eine gute Blase haben muss, oder alternativ mehrfach auf die nicht sonderlich geräumigen Flugzeugtoiletten rennen muss. Und nicht nur das. Spätestens als ich das dritte Getränk in wenigen Minuten forderte ( die Flugzeug Glässchen sind aber auch wirklich nicht groß ), schaute die Stewardess etwas verwundert mehr als verwundert aus.

Am Flughafen angekommen fand sich schon eine größere Gruppe von Teilnehmern zusammen. Ein Teil von ihnen hatte sich dank Knöpfen und sichtbaren Schläuchen bereits erkannt. Manchmal kann und will und sollte man den Diabetes auch einfach nicht verstecken. So ist das nunmal. Und sind wir mal ehrlich, wir haben uns genau über diese Erkennungsmerkmale so riesig gefreut!



Links nach rechts: Kariem, Annika, Sarah, Lisa, Sascha von sugartweaks.de
Der erste Tag war voll mit Workshops. Insbesondere der Vortrag einer Referentin hat mich besonders beeindruck. Die Frau berichtete darüber, dass bei ihr sehr jung Brustkrebs diagnostiziert wurde und sie genau wie viele von uns nach Hilfe und Austauschmöglichkeiten im Internet gesucht hatte. Angesichts ihres jungen Alters bei der Diagnose stellte sich das aber als schwierig heraus und sie  begann selber aktiv zu werden. Ihr ging es vor allem um Erfahrungsberichte bezüglich Schwangerschaften nach ihrer Diagnose. Die Geschichte dieser Frau hat mich wirklich beeindruckt. Vorallem, dass sie am Ende irgendwie alles geschafft hat, hat mich sehr berührt und mir nochmal gezeigt, dass das Leben auch mit Diabetes weiter geht!
Und einem weiteren Workshop muss ich meine Anerkennung aussprechen. Denn was diverse Lehrer in 10 Jahren Schule nicht geschafft haben, schaffte es diese Truppe innerhalb von wenigen Minuten mein Interesse an Biologie zu wecken. Wir machen DNA sichtbar. Und jetzt wo ich das einmal kann bin ich mir sicher, dass der Nobelpreis nicht mehr lange auf sich warten lässt. Der Schritt von DNA sichtbar machen, ein bisschen dran rumbasteln und schließlich Diabetes heilen kann ja nicht so schwierig sein ;-)



Das wirklich tolle an Events wie den #DX Events ist der europaweite Austausch. Sprachhindernisse? Gibts nicht. Wenn der FGM-Graph des Nachbarn gerade Achterbahn fährt, bedarf es unter Diabetikern keine Worte. Ein Blick genügt. Egal ob besagter Nachbar Schwede, Italiener oder was auch immer ist. Geredet haben wir trotzdem viel - auf englisch eben.
Die Inhalte lassen sich schnell und einfach zusammefassen. Es ging zum Beispiel um die unterschiedlichen Gesundheitssysteme; in Italien bespw. ist man abhängig vom Wohnort versichert. Gesprächstthema Nr. 1 bleibt bei solchen Veranstaltungen aber immer das gemeinsame BE-Schätzen, das wortwörtliche Auskotzen über Blutzuckerwerte und das Teilen von Hypohelfern.
Und das sogar Tag und Nacht. Wenn man überhaupt von Nacht sprechen kann. Denn in Schweden geht es auf den Mittsommer zu. So wirklich Gedanken darüber hatte ich mir nicht gemacht. Schnell sollte sich das ändern, als wir Nachts um 3 plötzlich nahezu im Hellen saßen. Ob man hier schon von einem Jetlag reden kann? Nur gut, dass ich mich mit dieser Frage angesichts der Tatsache dass wir unabhängig vom Sonnenaufgang eh bis 3 Uhr wach blieben nicht auseinander setzen musste.


Nach ca. vier Stunden Schlaf sollte es schon weiter gehen. Wir hatten die Möglichkeit mit einem Entwickler des Sensors von Abbott zu sprechen. Soviel sei verraten: All zu lange lässt die offizielle App 'Libre Link' nicht mehr auf sich warten.
Vor dem Gespräch mit dem anwesenden Entwickler hatte Lisa allerdings eine schwere Unterzuckerung. Wie es dazu kam und vorallem wie es ihr dabei erging, könnt ihr hier in ihrem Post lesen. Diese Situation hat allen Anwesenden gezeigt, dass Sprachbarrieren etc. nichts daran ändern, dass wir alle für einander da sind. Nachdem Sanitäter Lisa untersucht hatten und feststand, dass sie nach Hause reisen darf, buchte Kariem von Abbott DE(o) ihren Flug um, sodass sie mit ihm und mir nach Hause fliegen konnte. Für mich war das die erste schwere Unterzuckerung die ich jemals miterlebt habe. Jedem von uns kann genau das passieren. Die Nachwehen dieser Unterzuckerung mit zu erleben und zu sehen was das wirklich bedeutet, hat mich noch länger beschäftigt. Denn so eine schwere Unterzuckerung geht an niemandem spurlos vorbei...
Als wir vom Hotel aufbrachen bezeichneten wir uns schnell als Lisas persönliches Gesundheitsmanagement und brachten sie sicher zum Zug Richtung Heimat. Und auch wenn der Grund, warum wir schlussendlich zu Dritt im Flieger saßen, alles andere als schön war, hatten wir doch eine Menge Spass!


Apropos Rückflug. Am Anfang dieses Posts habe ich bereits von einem ersten Mal, dass ich bei dieser Reise erlebt habe, berichtet. Auf unserem Flug von Stockholm nach Frankfurt sollte ich ein Weiteres erleben. Ich hatte die große Ehre am Notausgang zu sitzen. Und die Vorgaben, dass kein Gepäck dort während Start und Landung liegen darf (Ja, ach nicht unter dem Vordersitz) nahm die Fluggesellschaft mehr als ernst. Also, damit euch nicht das selbe wie mir passiert und ihr nicht wegen einer Unterzuckerung während Start oder Landung an den Traubenzuckervorrat eures Sitznachbarn gehen müsst (Danke nochmal Lisa ;)), setzt euch entweder nicht an den Notausgang, oder aber sichert euch Traubenzucker bevor euch die Tasche vor der Landung entrissen wird. Naja ganz so schlimm war es jetzt wirklich nicht, aber doch eine Erfahrung und gut zu wissen!
Zu guter letzt möchte ich mit diesem Bild diesen Post beenden. Denn die Hotelzimmer waren alle, genau wie das gesamte Hotel im Stil der 20er Jahre gehalten. So kam es, dass in meinem rosa Zimmer ein ebenso rosa Bild von einer Zuckerwatte hing. Und mit einer Zuckerwatte im Zimmer ist man jawohl bestens für alle Hypos gewappnet. Dieses Foto findet ihr übrigens auch auf Instagram (@dia_beat_this.de), wo der Blog nun auch seinen eigenen Account hat. Also schaut auf jedenfall mal vorbei! :)


Hier geht es zu den Beiträgen der anderen Blogger:
Antje von Süßhappyfit - hier entlang
Lisa von Lisabetes - hier entlang 
Sascha von Sugartweaks.de - hier entlang

In Englisch:
Everyday ups and downs with diabetes - Mike
Thebackpackerandthepod - Lydia
Missjengrieves - Jen

Es grüßt euch,





Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - auch für den Diabetes? [Sponsored Post]


Unser Ziel: Las Vegas - die Stadt die niemals schläft. Und geschlafen hatten wir in den letzten Stunden weißgott wenig. Als wir endlich an unserem Ziel ankamen, waren wir bereits über 20 Stunden auf den Beinen. Aber wir wussten worauf wir uns eingelassen hatten und schauten trotz Schlafmangel und einem Achterbahnfahrendem-Blutzucker mit einem Lächeln auf die kommenden 10 Tage, die uns im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bevorstanden.

Das Land der unbegrenzten Herausforderungen
Eine Reise wie diese, kann aus vielen Gründen herausfordern. Nicht zuletzt, spielt der Diabetes dabei auch eine entscheidende Rolle. Im Folgenden möchte ich euch gerne ein paar Dinge aufzählen, die ich bei meiner diesjährigen Reise beachtet, gelernt und vorallem beobachtet habe.

Herausforderung 1:
Bezüglich des Umgangs mit der Zeitverschiebung, die in Nevada immerhin beachtliche 9 Stunden beträgt, kursieren viele Ratschläge, die besagen, man solle die Basalrate nach einem bestimmten Schema anpassen. Ich machte es auf meine eigene, alt bewährte Art. Irgendwann, spätestens bei der Landung stellte ich die Uhrzeit meiner Pumpe auf Ortszeit um. Auch wenn das ganz und gar nicht dem Diabetesmusterschüler entsprach, hatte ich mich auch diesesmal dazu entschieden mich auf mein Gefühl zu verlassen. Denn ich wusste, dass mein Blutzucker unabhängig von irgendwelchen Schemata, alleine durch den veränderten Tagesrhytmus sein eigenes Ding machen würde. Und so war es auch.
Womit wir zu der nächsten Herausforderung kämen.

Herausforderung 2:
Um es kurz schon einmal vorweg zu nehmen, möchte ich sagen, dass die Existenz dieser Herausforderung alleine auf meiner (unstillbaren) Liebe zu Essen im Generellen und insbesondere zu Fastfood beruht. 
Denn das amerikanische Essen, ist in aller Regel und vorallem dann, wenn man nicht bereit ist umgerechnet 15-20 Euro für einen Salat zu bezahlen, Fastfood, welches den Blutzucker bekanntermaßen regelmäßig in die Höhe schießen lässt. Dazu kommt (wie bereits oben gebeichtet), dass ich natürlich bei Angeboten wie einer mit Schokolade überzogenen Banane nie und nimmer nein sagen könnte. Stichwort ist hier wohl der Spritz-Ess-Abstand. Nur blöd, wenn all das Essen wie gesagt "Fastfood" ist und somit meistens innerhalb weniger Minuten, also wirklich ziemlich Fast, den Weg in den Mund findet. Das schafft wohl aktuell noch kein Insulin der Welt so schnell...

Aber ich bereue nichts, denn nach jedem Hoch kommt ja bekanntlich auch wieder ein Tief, ... oder war es umgekehrt?! Der Diabetes ist ja immer wieder für eine Überraschung zu haben!
Das Essen hat in der Regel mithilfe seines hohen Zucker- und Fettanteils genau den richtigen Nerv getroffen und mich zumindest kurzfristig überglücklich gestimmt ;) 
Und ganz so schlimm wie es vielleicht auf den ersten Blick klingt, war es ja nun auch nicht. Entgegen einiger Klischees ist es ja eben nicht so, als würden wir uns Zuhause in Deutschland nur von Kartoffeln und Salat ernähren. Wegen dem Diabetes auf etwas verzichten? Das möchte ich nicht! Insbesondere nicht in einem wohlverdientem Urlaub.

Herausforderung 3: 
Eine mindestens genauso große Herausforderung ist der völlig veränderte Tagesablauf. Die Stadt haben wir in aller Regel Zufuss erkundet. Und da kamen sicher einige Kilometer (und Blasen an den Füßen ;-)) zusammen. 
Wie viele Diabetiker wissen, hat auch nicht zuletzt das Wetter einen Einfluss auf unsere Blutzuckerspiegel. Bei Sonnenschein und knappen 25 Grad durch die Wüste Nevadas zu laufen, bringt also nicht nur die Füße an ihr Äußeres. Wichtig ist besonders unter diesen Umständen, dass auch das Insulin nicht ins Schwitzen gerät.
Wenn ich in einer großen Stadt unterwegs bin, habe ich mir angewöhnt, immer ein kleines Handdesinfektionsmittel mit mir zu führen. In Städten auf deren Straßen täglich Millionen von Menschen unterwegs sind, fühle ich mich mit einem solchen Mittel vorallem wohler, wenn es ums  Blutzuckermessen geht. Denn ich muss zugeben, dass es vermutlich schon einige Jahre, wenn nicht sogar bereits ein Jahrzehnt her ist, dass die alten "Tupfer" Tageslicht gesehen haben. Im Alltagsstress ist der Finger nunmal meist schneller einmal abgelutscht o.Ä. Der Hygiene wegen nutze ich gerne ein solches Handdesinfektionsmittel, wie ihr es aktuell zum Beispiel bei hier* bekommt, nicht nur zum desinfizieren vor dem Messen, sondern auch einfach für zwischendrinnen. Sei es nach einer Bahnfahrt, vor dem Essen oder beim Shopping. Genauso wie in diesem Urlaub eben auch.
   
Alles ist möglich - mit Diabetes
Ich erwähnte schon, dass die USA für ihr großes Angebot an Fastfood bekannt ist. Und wenn man eins lernt, ist es, dass meist auch eine riesen Auwahl an Softdrinks nicht weit nach sich suchen lässt. Im Falle einer Unterzuckerung jedenfalls nicht die schlechteste Anlaufstelle.
Vermutlich nirgendwo anders auf der Welt gibt es soviele unterschiedliche Getränke und andere Leckereien, die während einer Hypo scheinbar nur darauf warten den Heißhunger zu stillen. Über Cupcakes, Ice cream... M&Ms! Alles was das unterzuckerte Diabetikerherz begehrt.


Das gilt zumindest so lange, bis man die Stadt verlässt. 
Während man in Großstädten wie Las Vegas an jeder Ecke einen Burger und/ oder ein Softdrink gegen die weichen Knie bekommt, sieht das ganz schnell anders aus, wenn man den Highway Richtung Wüste nimmt. Wir hatten uns ein Auto gemietet, welches uns mit einem Zwischenstopp zum Grand Canyon bringen sollte. 
Um hier bösen Überraschungen vorzubeugen, empfiehlt es sich als Diabetiker ein paar kleine Vorbereitungen zu treffen. Aber auch ohne Diabetes braucht ein solcher Ausflug durchaus Vorbereitung, wenn man nicht mitten in der Wüste Arizonas stranden möchte. 
Da es in der Wüste immer wieder Streckenabschnitte gibt, auf denen meilenweit nichts als Einöde ist, empfiehlt es sich zusätzliche Diabetesutensilien zum Wechseln einzupacken. Je nach Jahreszeit gilt es hier auch zu beachten, dass das Insulin nicht zu warm werden darf. Wenn das Auto eine Klimaanlage hat, ist man in der Regel gut gewappnet. 
Auch für den Fall einer Hypo sollte man vorbereitet sein. Eine kleine handliche und vorallem effektive Alternative ist "Jubin". Jubin ist in kleinen Dosen abgefüllter flüssiger Traubenzucker, der sich im Ernstfall einfach aus der kleinen Dose lutschen lässt und den Durchschnittsdiabetiker schnell wieder zu neuen Kräften verhilft. Zu kaufen gibt es ihn unter anderem aktuell hier*. Jubin ist besonders gut für Reisen geeignet, weil er nahezu in jede Tasche passt und wirklich schnell hilft. Ob man nun wie wir auf dem Weg zum Grand Canyon oder auf der Grillparty der Nachbarn ist. 

Und am Ziel angekommen (hoffentlich ohne diabetische Ausrutscher), bekommt man noch einmal gezeigt, wie sehr sich all das und die eventuell angefallenen kleinen extra Diabetes bedingten  Herausforderungen gelohnt haben. Auch wenn eine solche weite Reise mit Diabetes einen gewissen Mehraufwand bedeutet, weiss man spätestens bei einem Ausblick wie diesem, wofür man es gemacht hat. 
Vorallem hat diese Reise mir wieder gezeigt, wie viel wir mit Diabetes machen können und dürfen. Wir können Reisen, Arbeiten und unser Leben genießen. All das soll nicht heißen, dass der Diabetes nicht manchmal auch super nervig und ein Blödmann sein kann. Auch ich könnte mir ein Leben ohne ihn definitiv vorstellen... Aber alles in allem sollten wir froh über das sein was wir haben und können! Und am Rande des Grand Canyon zu stehen, gehört für mich definitiv dazu!

 

__________________________________________
Bei diesem Post handelt es sich um einen Sponsored Post, in den Links auf die Homepage eines Partners im Rahmen einer Kooperation integriert wurden. Die Tatsache, dass es sich um einen Sponsored Post handelt, hat keinen Einfluss auf meine eigene Meinung. In diesem Beitrag berichte ich von meinen eigenen Erfahrungen!

Blutzuckerentgleisung - Pech oder einfach nur menschliches Versagen?

10. April 2016 | | 5 Kommentare
Ich habe eine lange Nacht hinter mir. Sogesehen ist es eigentlich schon die zweite lange Nacht, aber nach der heutigen Nacht, wirkt die gestrige schon wieder wie ein lächerlich kleiner Ausrutschter.

Unerklärliche Blutzuckereskapaden hat vermutlich jeder einmal. Solange diese sich problemlos wieder bändigen lassen, ist alles ok. Nachdem mich vor dem Zubettgehen, genau wie am Vorabend eine 3 von dem Display meines Messgerätes anlächelte, bekam ich Schweißausbrüche.
Genau so hatte der gestrige Abend auch begonnen und schlussendlich damit geendet, dass mich ein stündliches Weckerklingeln bis in die Morgenstunden, wo sich das Insulin scheinbar dann doch einmal überlegt hatte mit voller Wucht zu wirken, wachhielt. Dazwischen vernichtete ich sicherheitshalber noch mehrere Flaschen Wasser.
Ich entschied mich heute wieder ähnlich vorzugehen. Temporäre Basalrate hochschrauben, mit dem Pen korrigieren, eine Flasche Wasser neben das Bett und der Wecker wurde auch gestellt. An Katheter und Co konnte es dank Wechsel eigentlich nicht liegen...So schlief ich dann also etwa 30 Minuten und wurde wach, weil (oh Wunder) das ganze getrunkene Wasser  meinen Körper irgendwann ja auch wieder verlassen wollte.


Auf dem Weg zur Toilette dachte ich, ich müsste mich übergeben.
Nach über 15 Jahren Diabetes weiß ich diese Zeichen zu verstehen - Ketone. Unter Übelkeit versuchte ich mich zu noch mehr Wasser trinken zu zwingen. Schließlich ist das der einzige Weg raus aus dieser Misere. 
Das Theater aus abwechselnd Spritzen, Bolus geben, Wasser trinken (meinem Freund die Ohren vorheulen was für ein Arschl*** der Diabetes sein kann) und der Überlegung nicht doch ins Krankenhaus zu fahren ging noch mindestens 3 Stunden weiter. Das einzige was mich davon abhielt tatsächlich ins Krankenhaus zu fahren, war, dass ich diese Situation schon oft alleine gemeistert hatte und die Vorstellung mich mit besagter Übelkeit jetzt wirklich für eine Fahrt ins Auto zu setzen,  mir zusätzlich Sorgen bereitete Also vereinbarten wir, wenn wir in 2 Stunden nicht Herr der Lage wurden, zu fahren.
Zwischenzeitlich fühlte ich mich aber Gott sei Dank besser. Die Übelkeit war verschwunden und auch die Ketone machten sich kaum mehr bemerkbar. 

Aber eins war komisch. Trotz gefühlter 100 Einheiten Insulin blieb der Wert hoch.
Ich überlegte also das Insulin des Pens als letzte Möglichkeit zu wechseln. Ich hätte zu allen Mitteln gegriffen, solange es mir besser gegangen wäre. Denn mittlerweile, nachdem es mir eigentlich schon wieder besser ging, der Wert allerdings weiterhin hoch blieb, kam die Übelkeit wieder. 

Bei einem Blick in auf meinen Pen fand ich den ersten Übeltäter!
Dort, wo eigentlich das rettende Insulin rumschwimmen sollte, lächelte mich eine Leere von Luft an. Das, hatte ich noch nicht gesehen. Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob die Ampulle noch nahezu voll wäre, bei einem zweiten Blick erkannte ich, dass dort nur Luft war. Ich weiss nicht wie oder geschweige denn wann - aber scheinbar war mein Insulin aus der Ampulle ausgelaufen. Und ich wunderte mich, warum all die Korrektur nichts brachte. 
Um wirklich alle Risiken auszuschliessen, entschied ich mich die DailyDose (kleine Spritzen) aus den Tiefen meines Schrankes zu holen und künftige  Korrekturen mit diesen vorzunehmen. Erfolgreich: denn siehe da, langsam aber sicher tat sich etwas: 

Ich startete einen weiteren Versuch zu schlafen. Natürlich nur in dem Wissen, dass mein Wecker in wenigen Minuten wieder klingeln würde und ich nochmals meinen Blutzucker kontrollieren konnte. Aber ich war mir sicher keine bösen Überraschungen mehr zu erleben. Immerhin hatte ich den Übeltäter namens Pen ja bereits enttarnt und auch die Basalrate lief noch auf etwa 150%.

Als mein Wecker klingelte war ich einerseits erleichtert endlich eine 2 vorne zu sehen, andererseits fand ich den Abfall angesichts der Menge Insulin die irgendwo ihr Unwesen in meinem Körper treiben sollte, relativ gering. Ich schraubte also nocheinmal etwas an der temporären Basalrate rum und schlief. 

Als mich beim nächsten Messen dann eine  150 anlächelte, war ich mir sicher es endgültig geschafft zu haben.
Aber weit gefehlt. Und bei dem was ich euch jetzt erzähle, weiss ich nicht ob es Pech ist oder einfach nur meine eigene Doofheit. Kein Mensch ist perfekt und jeder macht Fehler - meine Devise für den heutigen Morgen. Denn eigentlich basierte diese Horrornacht einzig und alleine auf meinem menschlichen Versagen...
Gestern nämlich musste ich meine Pumpe tauschen. Nachdem diese mehrfach Probleme mit der Stromversorgung hatte und zudem ab und zu das Display aussah als würde ich durch eine Nebelwand darauf schauen, hatte man mir sicherheitshalber eine Ersatzpumpe zukommen lassen.  
Einstellungen wie Basalrate, Bolusfaktoren etc. hatte ich bereits am späten Vormittag gemacht und wog mich diesbezüglich in Sicherheit. 
Als ich aber dann doch wieder mit einem 300er Wert aufwachte, dachte ich ich drehe durch. Nicht nur dass dieser Wert mir mein schönes Sonntagsfrühstück versaute, ... ich wusste auch einfach nicht weiter. 
Kurzerhand nahm sich Philippe (mein Typ F), der ebenso wenig geschlafen hatte und mir die ganze Nacht im Kampf gegen die Ketone geholfen hatte, die Pumpe und stellte nach kürzester Zeit fest, dass die Basalrate seit Stunden bei Null lag. Mir blieb die Luft weg und ich realisierte, dass wir zwar eine zweite Basalrate in der neuen Pumpe eingestellt hatten, aber nicht aktiviert, sodass ich seit Stunden ohne Basal war. Und nicht nur das - die Basalrate war seit Stunden bei Null, sodass ich die temporäre Basalrate auch auf 500% hätte stellen können. Aber 0x500 bleibt eben auch nur Null...
Damit war dann auch der zweite Übeltäter entlarvt. Mittlerweile sitze ich optimistisch vor einem gedeckten Frühstückstisch und hoffe es nun ein für allemale hinter mir zu haben. 
Erschreckend ist, dass der Blutzucker einzig und alleine wegen meinen Fehlern so ausser Rand und Band war. Ich hätte all das durch etwas mehr Aufmerksamkeit vermutlich verhindern können. Immerhin gehe ich meinem Job als Diabetikerin ja auch nicht erst seit gestern nach...
So ist es nun und beim nächsten Mal werde ich schlauer sein. Fehler sind nun mal menschlich. Auch in der Diabetestherapie. Oder? 

Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Über ein ähnliches Blutzuckereskapaden-Erlebnis habe ich vor geraumer Zeit auch schon einmal geschrieben: Wirst du denn nie müde?


 

Es geht unter die Haut - ein neues CGM System


Heute feiere ich Prämiere. Der erste Blogpost, der während einer Zugfahrt entstand. Denn ich kann es kaum erwarten euch von meinem Wochenende beim Roche-Mediendialog auf Schloss Hohenkammer zu berichten.
Eingeladen hatte die Firma Roche unter dem Titel: DiaDigital: Im Netz, unter der Haut, im Alltag.

Neben einem Video, indem uns Sascha von Sugartweaks zeigt, wie er das erste Mal seinen Blutzucker misst (nicht zu vergessen, dass ich das Ganze in pinker Perücke moderiere), durften wir auch das neue CGM System, welches Senseonics in Zusammenarbeit mit Roche entwickelt, kennenlernen. Leider wird das System vorraussichtlich erst in etwa 2 Jahren auf den Markt kommen. Dann auch erstmal nur für Erwachsene.
.
Saskia (Diafeelings), Sascha (Sugartweaks), Marcel (iShinne-Diabetes), Lisa (Lisabetes), Sarah

Aber was ist anders an diesem CGM?
Das CGM besteht hauptsächlich aus folgenden Teilen:
Einem Sensor, einem Transmitter, Pflastern und einem Smartphone.

Durch einen kleinen Schnitt wird der Sensor ambulant in den Oberarm implantiert. Das ganze geht wohl ziemlich schnell und ist nach kurzer Vorbereitngszeit innerhalb von wenigen Minuten ohne große Schmerzen erledigt. Einmal unter der Haut, sendet der Sensor mindestens 90 (bis zu 180) Tage die Werte an einen Transmitter, welcher diese wiederum an das Smartphone schickt. Wie klein dieser Sensor ist, könnt ihr hier sehen:


Der Transmitter wird genau über dem implantierten Sensor mithilfe eines Pflasters befestigt. Von dort kann er wenn nötig auch Alarme durch Vibratiionen abgeben. Zeitgleich ist der Tranmitter auch die Energiequelle für den implantierten Sensor. Per Bluetooth werden die Werte vom Transmitter ans Smartphone übermittelt. Erst waren wir skeptisch, ob diese Konstruktion auch tatsächlich stabil und alltagstauglich ist. Nicht zuletzt, weil der Transmitter doch relativ groß und mit entsprechendem Gewicht ist.
Als wir den Transmitter dann selber einmal an uns testen durften, unterzogen wir ihm also dem Härtestest und schüttelten unsere Arme was das Zeug hält. Alles blieb an Ort und Stelle.
Das besagte Pflaster muss jeden Tag gewechselt werden. Es funktioniert ähnlich wie doppelseitiges Klebeband. Auf die eine Seite wird der Transmitter geklebt, die andere kommt auf die Haut. Der Pflasterwechsel ist so oder so von Nöten, da der Transmitter regelmäßig, bestenfalls jeden Tag geladen werden muss. Und auch zum Duschen und Schwimmen muss er abgemacht werden. Denn der Transmitter des CGMs ist leider nicht wasserdicht. Etwas unpraktisch, finden wir. Denn gerade bei sportlicher Betätigung wie beispielsweise Schwimmen sind wir ja besonders neugierig, was sich der Diabetes einfallen lässt. 


Die Daten des Transmitters werden dann an das Smartphone gesendet. Das finde ich richtig super. Denn sind wir mal ehrlich - wer verlässt heute noch das Haus ohne sein geliebtes Handy?! Dort kann man dann jederzeit nachschauen wie der Wert ist. Aber Vorsicht! Ein CGM misst den Glukosewert, nicht den Blutzucker. Die Zeitverschiebung die es hierbei gibt, muss also immer berücksichtigt werden. Zudem muss das CGM zwei mal täglich kalibriert werden.

Vor Ort befand sich außerdem ein Proband, der durch die Teilnahme an einer Studie das CGM schon einmal testen durfte. Wir hatten die Möglichkeit ihm all unsere Fragen zu stellen. Beginnend bei der Pflasterverträglichkeit. Immerhin kommt teilweise sogar mehr als 90 Tage ein bzw. mehrere Pflaster immer an die selbe Stelle. Nicht nur er, sondern auch das Institut, welches die Studien durchführte, bestätigten aber, dass es keine Reaktionen gab. Auch ich fand, dass sich das Pflaster wirklich angenehm lösen ließ. Unsere Sorge, dass der Transmitter während des nächtlichen Wälzens verloren gehen könnte, wurde nicht bestätigt. Zu den Kosten konnte man vor Ort noch nichts sagen. Da das Gerät noch gar nicht auf dem Markt ist, hat das ja auch noch Zeit. Wobei wir uns ja sicherlich alle einig sind, dass die Krankenkassen es doch bitte übernehmen sollen!! Der Proband jedenfalls, war absolut überzeugt von dem neuen CGM.


Ich jedenfalls finde das eine ganz spannende Entwicklung, die wortwörtlich unter die Haut geht, oder was meint ihr?
Allerdings denke ich auch, dass in den nächsten 2 Jahren noch so einiges anderes passieren wird. Ich finde die technische Entwicklung in Sachen Diabetes ist aktuell einfach rasant und gibt Grund gespannt zu bleiben.

Soviel von meinem Wochenende im schönen Bayern.


12 Sprichwörter, die sich hervorragend auf den Diabetes anwenden lassen - Teil 2

23. Januar 2016 | | 1 Kommentar

Es gibt einfach Situationen, die wie für ein Sprichwort gemacht sind. Oder ist es umgekehrt? Egal, denn ein Leben mit Diabetes bietet mehr als genug dieser Situationen, die ich euch in meinem zweiten Teil von 12 Sprichwörtern, die sich hervorragend auf den Diabetes anwenden lassen, präsentieren möchte.

Zu Teil 1 geht es hier entlang: Teil 1


#1 Angriff ist die beste Verteidigung
Dem Diabetesmonster muss gezeigt werden, wer die Hosen an hat. Häufig ist das leider leichter gesagt als getan. Gut, dass die Aufgabe des Angriffs meistens schon durch ein paar Einheiten Insulin erledigt ist. Wie effektiv dieser Angriff ist, zeigt sich meist (leider) erst später...

#2 Aus den Augen, aus dem Sinn
Schön wärs. Ein hoher Blutzucker bleibt leider auch ein hoher Blutzucker, wenn das Messgerät gerade nicht in Sichtweite ist... 

#3 Besser spät als nie
Dieses Sprichwort lässt sich sowohl aufs Messen als auch auf die Insulinabgabe anwenden. Besser etwas verspätet eines dieser Dinge tun, als nie...Oder?

#4 Erst die Arbeit dann das Vergnügen
Soweit die Theorie. Erst den Diabetes versorgen, dann hat man seine Ruhe. Und weil das in der Praxis nicht immer geht, ist es auch vollkommen okay Arbeit und Vergnügen zu verbinden ;-)

#5 Lieber arm dran, als Arm ab
Stimmt wohl! Lieber ein klein bisschen Diabetes, als... (Schlimmer geht immer!)

#6 Abwarten und Tee trinken
Dass die Wüste Sahara eine wahre Oase gegenüber dem ausgetrockneten Rachen eines überzuckerten Diabetikers ist, darüber habe ich schon mehrmals berichtet. Die Zeit bis das Insulin dann endlich zu wirken beginnt, muss ausgesessen werden. Da bleibt nur Abwarten und Tee, bzw. Wasser zu trinken, um hinterhältigen Ketonen erst gar keine Chance zu geben.

#7 Lachen ist die beste Medizin
Naja, als Diabetiker ist Insulin als Medizin auch eine gute und denkbare Alternative ;-)

#8 Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben
Oh, wie häufig ist mein Tag schon mit richtig guten Worten gestartet und noch bevor ich es ausgesprochen hatte, begann ein Auf und Ab. Fazit: Fazite werden nur noch Abends gezogen! 

#9 Ohne Fleiß kein Preis
Diabetes begleitet uns 24/7 und verlangt uns teilweise Einiges ab. Nur wer sich auch anstrengt, kann seine Ziele erreichen. Egal, ob beim Diabetes, im Job, oder in einer anderen privaten Angelegenheit.

#10 Vorsicht ist besser als Nachsicht
Ohja. Wo fängt man hier nur an. Aktuell bereite ich eine Packliste  (↑) für meine anstehenden Reisen vor. Denn lieber packe ich einmal viel zu viel ein, als etwas zu vergessen. Dass Vorsicht besser als Nachsicht ist, lässt sich noch auf so viele andere Bereiche (insbesondere beim Diabetes) übertragen. Stichwort: Sport-BEs?

#11 Zahlen lügen nicht
Ganz richtig. Wer einmal sein Messgerät gefunden hat, der weiß das. Aber vorsichtig, denn Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Wer vor dem Messen das Händewaschen vergisst, kann von den Zahlen auf dem Messgerät betrogen werden...

#12 Ende gut, alles gut
Ganz genau. Jeder findet irgendwie seinen Weg für den Umgang mit seinem Diabetes. Der eine braucht länger dafür, der andere weniger. Manchmal glaube ich, dass ich selbst heute meinen Weg noch nicht immer gefunden habe. Aber der Diabetes gehört nach 15 Jahren nunmal zu mir, und das ist gut.

Kennt ihr mehr solcher Sprichwörter? Habt ihr solche Situationen auch schon erlebt? Lasst es mich wissen.